VCD Hessen, Pressemitteilung12/2010, Kassel, 21. Mai 2010
VCD: Symbol halbherziger Bahnpolitik
Am 26. Mai 1990 wurde die „Halle-Kasseler Eisenbahn“ zwischen Eichenberg (Hessen) und Arenshausen (Thüringen) wieder in Betrieb genommen. Neben der renovierten ehemaligen DDR-Transitstrecke Bebra–Eisenach ist dies bis heute die einzige Bahnverbindung, die von Hessen aus über die ehemalige innerdeutsche Grenze führt. Wiederaufbau und Ist-Zustand dieser Bahnstrecke sind nach Ansicht des VCD Hessen „ein Symbol für zwei Jahrzehnte halbherzige Bahnpolitik“.
War im Taumel der Wiedervereinigung noch von einer schnellen Fernverkehrsstrecke die Rede, so wurde der Ausbau in den Folgejahren immer weiter reduziert. Bis heute wird die ansonsten durchgehend zweigleisige Strecke nur mit einem Gleis in den hessischen Bahnhof Eichenberg geführt. Auf längeren Abschnitten in Thüringen beschränkt DDR-Signaltechnik die Geschwindigkeit weiterhin auf 100 km/h. „Das mag für die meisten Güterzüge gerade reichen, schon ein aktueller Nahverkehrstriebwagen wird damit unnötig ausgebremst“, so VCD-Landesgeschäftsführer Martin Mützel. Der durch Niedersachsen und Hessen führende Abschnitt Eichenberg–Kassel wurde nicht ausgebaut, die Gleisanlagen in Witzenhausen, Hann. Münden und Speele wurden weiter reduziert. Dort ist keine Güterverladung mehr möglich. Wurde in den 1990er Jahren noch darum gestritten, ob man Kassel über eine neue Verbindungskurve bei Mönchehof oder den Ausbau der vorhandenen Strecke über Bad Karlshafen umfahren solle, so sind beide Varianten derzeit chancenlos. Züge von Halle in Richtung Ruhrgebiet müssen in Kassel die Fahrtrichtung wechseln, was im Güterverkehr zu Mehrkosten und Zeitverlusten führt.
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