Güterverkehr lässt Kosten im Straßenbau weiter wachsen

Pressemitteilung, VCD-Landesverband Niedersachsen, 04.03.2016, Hannover/Lüneburg.
Alpha drängt Güter auf die Straße – A 39 durch Lüneburg sechsspurig/Wirtschaftlichkeit A 39: Nutzen-Kosten-Verhältnis unter 1

Der erste Bauabschnitt der A 39 durch Lüneburg soll nun von Anfang an sechsspurig gebaut werden. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr begründet den Vorstoß mit einer neuen Prognose für das Jahr 2030. „Danach steigt der Verkehr von 2025 auf 2030 in einem Maß, das einen sechsstreifigen Querschnitt aus Sicht der Planer knapp rechtfertigen lässt. Interessant ist, dass die Zunahme ziemlich genau der Anzahl Lkw entspricht, die notwendig sind, um die Güter zu transportieren, die aufgrund der unzureichenden Kapazität des Alphas nicht auf der Schiene abgefahren werden können“, erklärt Hans-Christian Friedrichs, Landesvorsitzender des VCD-Niedersachsen. Die aufwändigen Planungen führen zudem zu einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftlichkeit der A 39. Nach Überzeugung des VCD ist mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von unter 1 zu rechnen.

Nach Aussage der Straßenplaner steigt der Verkehr von 42.800 Kraftfahrzeugen pro Tag in 2010 ohne A 39 auf 61.300 in 2025 mit A 39. Bei diesem Anstieg um gut 43 Prozent geht es größtenteils um verlagerten Verkehr, der erst durch die angenommene Existenz einer A 39 von anderen Straßen, insbesondere der A 7, auf die neue Autobahn und in die Region verlagert würde. Diese Einschätzung teilte auch Niedersachsens Ministerpräsident Weil im Februar im Interview mit der Landeszeitung. Neu ist nun die Prognose für 2030 wonach weitere 3.800 Fahrzeuge täglich hinzukommen sollen. Der Eisenbahnexperte Dr. Rudolf Breimeier hat in seiner jüngsten Arbeit errechnet, dass auf einer dreigleisig ausgebauten Bahnstrecke Hamburg – Uelzen im Jahre 2030 nur die Hälfte der zusätzlich erwarteten Züge überhaupt Platz fänden. Etwa 100 Güterzüge täglich würden auf dem unzureichenden Eisenbahnnetz gar nicht fahren können, die Güter müssten auf der Straße transportiert werden. Das sind umgerechnet etwa 3.900 zusätzlichen Lkw-Langstreckenfahrten täglich. „Das entspricht ziemlich genau der prognostizierten Verkehrszunahme auf der A 39, die zu einem sechsspurigen Bau führen soll. Die Nebenwirkungen sind bekannt: Mehr Lärm, Unfallrisiken, Erschütterungen und Gesundheitsgefährdung durch schlechtere Luftqualität, die auch der von Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge geforderte längere Deckel im Bereich Moorfeld nicht verbessert“, so Friedrichs.

Die Planungsbehörde wird einen Zusammenhang beider Zahlen mit Sicherheit in Abrede stellen und als reinen Zufall proklamieren. Anders herum müssten die Bewohner des Lüneburger Stadtteils Moorfeld aber ein großes Interesse an einer zielführenden Schienenlösung haben, die diese 3.900 Lkw täglich nicht durch ihren belasteten Stadtteil rollen ließe. Ganz unabhängig von einem Bau der A 39 oder einem ebenfalls zu prüfenden Ausbau der Bundesstraße 4 könnte die ganze Region von einer neuen umweltverträglichen Eisenbahntrasse, beispielsweise entlang der A 7, massiv profitieren. Nicht nur Anwohner entlang der bestehenden Straßen und der Bahnstrecken würden entlastet, auch der Individualverkehr hätte weniger Risiken durch „Überholdruck“ und Lkw-Verkehr zu befürchten.

Der sechsspurige Bau der A 39 wird sich nach Auffassung des VCD negativ auf die Wirtschaftlichkeit dieser Autobahn auswirken. Lag das erste offiziell angegebene Nutzen-Kosten-Verhältnis „NKV“ der A 39 im Jahr 2006 noch bei attraktiven 3,4 und damit über der für den Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans wichtigen Marke von 3, so wurde es schon 2008 mit nur noch 2,78 angegeben. Seitdem müsste der Vordringliche Bedarf eigentlich der Vergangenheit angehören. Das offizielle NKV sank aber weiter auf nur noch 2,5 Ende 2009 und 1,9 Mitte 2012. Damit wurde der lange zuvor von den Bürgerinitiativen errechnete Wert von nur 1,87 bestätigt. Tatsächlich zeichnet sich beim Niedergang der Wirtschaftlichkeit der A 39 ein ganz linearer Trend ab, der es erlaubt, auch den Zeitpunkt der voraussichtlichen volkswirtschaftlichen Unwirtschaftlichkeit zu ermitteln. Bei nach wie vor steigenden Kosten für die A 39 und nicht proportional steigendem Nutzen müsste die Marke der Unwirtschaftlichkeit von 1 am 5. März 2016 erreicht sein. Dafür spricht, dass die Baukosten durch die Einführung des Mindestlohns weiter steigen und nun im ersten Bauabschnitt in Lüneburg einer sehr gut ausgelasteten und wirtschaftlichen vierspurigen Variante ein nur knapp sinnvoller sechsspuriger Ausbau entgegen gestellt wird. Hinzukommen weitere Kosten für den geforderten längeren Deckel, mehr Lärmschutz und verteuerten Grunderwerb allgemein, um nur einige Faktoren zu nennen.

„Sollte nun Anfang April bei der Veröffentlichung des Bundesverkehrswegeplans für die A 39 noch immer ein NKV von 1,9 oder gar der Vordringliche Bedarf angegeben werden, müsste uns eine gravierende gesellschaftliche Entwicklung entgangen sein. Sollte sich die Wirtschaftlichkeit der A 39 aber weiter negativ entwickeln, dann erwarten wir seitens Landes- und Bundesregierung endlich konsequentes Handeln zugunsten anderer Verkehrsprojekte, insbesondere für den Ausbau eines umweltfreundlichen und leistungsfähigen Schienennetzes. Gerade angesichts der Pariser Beschlüsse und der Mahnung von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel, endlich auch in Niedersachsen mehr für den Klimaschutz zu tun, ist ein Umsteuern in der Verkehrspolitik unabdingbar. Der doppelte Energiebedarf und mindestens vierfache CO2-Ausstoß des Lkw gegenüber der Schiene müssten für ein verantwortungsvolles Handeln Anreiz genug sein. Der Verkehrssektor wächst beim Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase gerade in Deutschland noch immer viel zu stark mit einem hohen Anteil an Lkw-Verkehr als Verursacher. Dem muss ein Ende gesetzt werden“, so Friedrichs abschließend.

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Autor: VCD Niedersachsen.

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