Die Straße gehört dem Auto!?

Doch wohin mit unseren Kindern? Ernst nehmen und Platz schaffen – so das Plädoyer des VCD.
Pressemitteilung, Berlin, 19. 08 2015

Auf 1.000 Einwohner kommen in Deutsch­land fast 550 Autos, aber nur 8,2 Kinder. Das bedeutet gleichzeitig einen Spitzen­platz beim Autobesitz und letzten Platz bei der Geburten­rate – weltweit. Allzu oft zeigt sich diese Diskrepanz auch im Straßen­bild deutscher Städte und Ge­mein­den. Von Kindern wird verlangt, sich ver­kehrs­ordnungs­konform zu ver­halten, statt unbeschwert und rebellisch, während Erwachsene freie Fahrt und im besten Falle ein Park­platz vor der eigenen Haus­türe genießen.

Wenn Deutschland wieder kinder­freundlich werden will, darf der öffentliche Raum nicht für Autos reserviert bleiben. Kinder müssen die Straße erobern dürfen. Hier treffen sie Freunde, entwickeln soziale und motorische Fähigkeiten und können sich austoben. Heute finden Abenteuer und Action viel zu oft online im Kinder­zimmer statt, da es die Orte zum draußen spielen einfach nicht mehr gibt. Es fehlt schlichtweg der Raum oder das Verständnis der Nachbarn. Die einzige Lösung: Kinder, Eltern und Nachbarn müssen gemeinsam im Interesse aller die Straßen vom Auto zurückerobern.

Die fairkehr zeigt wie das gelingen kann – in Zusammenarbeit von Politik und Kommunen, sowie unter Beteiligung der Anwohner. Mögliche Maßnahmen sind schon lange bekannt und müssen nicht viel kosten. So sollte der Bund unter anderem die Straßen­verkehrs­ordnung anpassen und Tempo 30 innerorts zur Regel machen. Die Kommunen können ihrerseits Baumaßnahmen generell auf Kinder­freundlichkeit überprüfen, Kinderwege und Spielflächen bereits in der Stadtplanung vernetzen oder Straßen­sperrungen an den Wochenenden ermöglichen. Und auch Eltern und Nachbarn haben Möglichkeiten, ihr Wohngebiet kinder­freundlich zu gestalten: in dem sie das Auto bewusst dort abstellen, wo es die Sicht von Kindern nicht beeinträchtigt und Kinderlärm als Zeichen eines gesunden Wohnumfelds begrüßen.

Dass es in Deutschland bereits positive Beispiele gibt, zeigt die fairkehr anhand dreier Projekte aus Köln, Freiburg und Griesheim. In Köln können Kinder in einem autofreien Wohngebiet frei auf­wachsen, in Freiburg werden Straßen zu dauerhaften verkehrs­beruhigten Zonen umgebaut – mit Unterstützung einer Anwohner­initiative. Das dritte positive Beispiel kommt aus der hessischen Stadt Griesheim. Diese gilt nach einer kinderfreundlichen Umgestaltung vieler Straßenräume als »bespielbare Stadt«. Mit dem positiven Effekt: seit zehn Jahren gab es keine Unfälle mehr mit Kindern. Was es genau bedeutet, eine »bespielbare Stadt« zu entwickeln, darüber sprach die fairkehr mit Prof. Bernhard Meyer, einer der Initiatoren einer Umgestaltung der Stadt Griesheim.

Abgerundet wird der fairkehr-Titel mit Hinweisen auf Aktionen, die Kindern darin unterstützen, sich selbständig und sicher im Straßen­raum zu bewegen. Dazu gehören die Aktionstage »Zu Fuß zur Schule und in den Kindergarten«, die zwischen dem 21. September bis 2. Oktober stattfinden und die Mitmachaktion »Laufbus«, die Lust auf Zufußgehen und Fahrradfahren machen soll.

Mehr zu diesen Themen, inkl. Infografik zum »Das bewegt die Kinder von heute« http://www.fairkehr-magazin.de/4_2015_infografik_kinder.html, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der fairkehr.


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Autor: VCD-Bundesverband.

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