VCD-Programm für eine zukunftsfähige S-Bahn Stuttgart

Presseinformation Nr. 19/2013, Stuttgart, 27. September 2013

VCD-Programm für einen pünktlichen und zukunftsfähigen S-Bahn-Verkehr Stuttgart
Maßnahmenkatalog verbindet sinnvoll schnellwirksame mit längerfristigen Forderungen

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Stuttgarter S-Bahn sind spätestens seit Bau­beginn Stuttgart 21 ‚unter die Räder’ gekommen, die Geduld vieler Pendler ist am Ende. Am 9. Oktober soll es einen S-Bahn-Gipfel geben, um die Probleme zu dis­ku­tieren. Lösungsvorschläge zeigt im Vorfeld dieses Gipfels der ökologische Ver­kehrs­club Deutschland e.V. mit seinem 15-Punkte-Ge­sun­dungs­programm für das S-Bahn-System Stuttgart auf.

Politisch verantwortlich für die S-Bahn ist der Verband Region Stuttgart (VRS), doch dieser nimmt bislang seine Rolle als verantwortlicher Aufgabenträger nicht ausreichend war“, kritisiert VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb die bisherige Verbandspolitik des Abwiegelns und Kleinredens von offensichtlichen Problemen bei der S-Bahn. Dabei müsse der VRS eigentlich Sachwalter der In­teressen der Fahrgäste sein, so der VCD.

Das VCD-Programm beschreibt zunächst ausführlich die der­zeitigen Fahrzeug- und Infra­struktur­probleme bei der S-Bahn Stuttgart. Es enthält einen Mix aus kurz-, mittel- und langfristig umsetz­baren Maßnahmen zur Verbesserung von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der S-Bahn. Damit kann das S-Bahn-System die –auch politisch ge­wünsch­ten –Fahrgastzuwächse bewältigen sowie das Problem der fehlenden Barriere­freiheit lösen“, erklärt Matthias Lieb.

Unter das Stichwort ‚Transparenz und Information’ fallen sofort realisierbare Maß­nahmen:

  • Veröffentlichung von linienbezogener Pünktlichkeit und Anschluss-Erreichung
  • Veröffentlichung der vertraglichen Regelungen zu Pünktlichkeit und Qualität
  • bessere Information der Fahrgäste, z.B. über Störungen – ‚Fahrgäste informieren Fahrgäste’
  • Sensibilisierung der Fahrgäste zur Vermeidung von Verspätungen

Beispielsweise sollten sowohl für die einzelnen S-Bahn-Linien als auch für wichtige Umsteige­knoten zum Regionalverkehr monatlich Pünktlichkeitsstatistiken ver­öffent­licht werden mitsamt den erreichten Anschlüssen zu den Regionalbahnen, fordert Matthias Lieb.

Kostengünstig und rasch umsetzbar sind ebenso gut sichtbare farbliche Mar­kierun­gen der Lichtschranken, um den Fahrgästen diesen ‚verbotenen’ Bereich bewusst zu machen., erläutert der VCD. Markierungen auf dem Bahnsteig, wo sich die Tür­öffnungen befinden, könnten außerdem im Sinne der Pendler zu einer be­schleunig­ten Abfertigung beitragen.

Sind Verspätungen bereits eingetreten, könnten die S-Bahn-Kunden als „Stau- bzw. Störungsmelder“ gewonnen werden, um die Ver­spätung beispielsweise via Twitter zeitnah weiterzugeben. Bisher erhalte die VVS-Leitstelle solche In­for­ma­tio­nen oft erst mit bis zu 30-minütiger Verspätung, kritisiert der VCD. Mit dem neuen In­for­ma­tions- und Mitmachportal http://www.s-bahn-chaos.de wird nun über den Twitter-Hashtag #SBahnStgt die Möglichkeit geboten, Störungen zu melden. Diese werden von den Betreibern auch auf ihre Ursachen hin geprüft. Betrieben wird diese vom VCD unterstützte Plattform von ausgewiesenen Bahn- und Verkehrs­experten, Privatpersonen mit Fachkenntnissen sind ebenso erwünscht.

Unter dem Stichwort ‚Qualität’ können die folgenden Maßnahmen verbucht werden:

  • mehr Langzüge (3 Einheiten) im Berufsverkehr
  • bessere Instandhaltung der Infrastruktur
  • mehr Personal für Reisendenlenkung

Zur Entlastung der vollen S-Bahnen sollten aus VCD-Sicht

  • Zubringerbusse auch zu Zwischentaktzügen eingerichtet werden sowie der
  • Regionalbahn-Halt in Stuttgart-Vaihingen

realisiert werden.

Eine Reform der Zuständigkeit für den Nahverkehr in der Region unter Einbeziehung nicht nur des VRS, sondern auch des Landes, der Stadt Stuttgart, der Landkreise und des VVS würde aus VCD-Sicht das Gewicht des Aufgabenträgers bei Ver­hand­lun­gen mit der ‚großen’ DB stärken. Denn die für die S-Bahnen genutzte Infra­struk­tur werde ebenso vom Regionalverkehr befahren, für den das Land als Auf­gaben­träger zuständig sei. Um Kommunikationswege zu vereinfachen und Abläufe zu integrieren, sollten bei Vereinbarungen zum S-Bahn-Verkehr zwingend alle Akteure, also auch die für die Zu- und Abbringerdienste (Buslinien) in den Landkreisen zu­stän­digen Landratsämter eingebunden werden.

Matthias Lieb: „Als ein weiterer Anreiz für hohe Qualitäts- und Pünktlichkeitswerte sollten Entschädigungsregelungen für Fahr­gäste nach dem österreichischem Modell eingeführt werden –wenn die vereinbarte Pünktlichkeit nicht erreicht wird, erhält am Jahres­ende der Pendler fünf bis zehn Prozent des Jahres­karten­preises erstattet.

Sollten alle diese Maßnahmen nicht ausreichend sein, um die Pünktlichkeit der S-Bahn wieder herzustellen, müsste aus VCD-Sicht der S-Bahn-Fahrplan angepasst werden durch Pufferzeiten zu Beginn und Ende der Tunnelstrecke.

Darüber hinaus sind in der VCD-Konzeption als langfristige Maß­nahmen vorgesehen:

  • neue Signaltechnik für die Tunnelstrecke
  • neue tangentiale S-Bahn-Linien, z.B. Ludwigsburg – Schusterbahn – Esslingen, Neuhausen
  • Flughafen/Messe – Ludwigsburg über die Gäubahn/Pa­norama­strecke
  • Herstellung der Barrierefreiheit durch Umrüstung auf 76 cm-Bahnsteig-/ Fußbodenhöhe

Der VCD betont, dass die Politik als Aufgabenträger sowie die Verkehrs- bzw. Infra­struktur­unternehmen als Betreiber sich gemeinsam des S-Bahn-Problems an­nehmen und die vom VCD aufgelisteten Maßnahmen ernsthaft verfolgen müssten, um im In­teresse der Fahrgäste und der Wirtschaft in der Region einen pünktlichen, zuver­lässigen, barrierefreien und zukunftsfähigen S-Bahn-Verkehr realisieren zu können.

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Autor: VCD Baden-Württemberg.

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