VCD sieht Unfallmitschuld bei Maulbronner Stadtverwaltung

VCD Pforzheim/Enz, Presseinformation Nr. 17/2013, Mühlacker, 30. Juni 2013
Wegfall der Fußweg-Markierung führte zu Straßen­ver­breiterung

Angesichts der Debatte im Maulbronner Gemeinderat über den Un­fall auf der Ge­mein­de­verbindungsstraße zwischen Maulbronn und Schmie verweist der öko­lo­gische Ver­kehrs­club Deutschland (VCD) auf den vor wenigen Jahren erfolgten Wegfall der Fuß­weg-Markierung auf dieser Straße: „Beim Ausbau der Straße vor rund 25 Jahren wurde mittels eines Pflasterstreifens ein Fußweg vom Straßen­bereich abmarkiert, so dass die Straße vom Autofahrer als schmal eingeschätzt und somit vorsichtig befahren wurde“, erklärt VCD-Landes­vorsitzender Matthias Lieb: Solche Pflastersteine wir­ken aus VCD-Sicht auch dämpfend auf das Geschwindigkeitsniveau aufgrund der beim Über­fahren ausgelösten Rütteleffekte.

Doch vor wenigen Jahren wurde dieser Pflasterstreifen entfernt bzw. überteert –mit der Folge, dass die Gesamtbreite nunmehr dem Straßenverkehr zur Verfügung steht – zu­lasten eines Fuß­weges zwischen Schmie und Maulbronn. Für die Autofahrer hat diese optische Straßenverbreiterung den Eindruck erweckt, schneller fahren zu können“ erklärt Matthias Lieb.

In dieser von der Stadtverwaltung veranlassten optischen Straßen­verbreiterung bei gleichzeitigem Wegfall eines markierten Fußweges (der durch drei Pflaster­stein­streifen von der Straße abgetrennt war) sieht der VCD eine Mitschuld an dem Unfall, der offensichtlich durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht wurde.

Für den VCD stellen sich folgende Fragen:

  1. Hätte bei Beibehaltung des Pflasterstreifens und des Fußweges die Geschwindig­keit überhaupt auf 50 km/h festgesetzt werden dürfen oder wäre in diesem Fall nicht 30 km/h als Höchst­geschwindigkeit auszuweisen gewesen?
  2. War die gewollte Ausschilderung von 50 km/h der Grund für den Wegfall des Pflasterstreifens und damit des Fußweges bzw. ergab eine Überprüfung an­läss­lich einer Verkehrsschau die Unvereinbarkeit von 50 km/h mit dem Fußweg?
  3. Wer ist verantwortlich für den Rückbau des Fußweges und damit für die Straßen­verbreitung zulasten der Sicherheit von Fußgängern?

Als Folge des Unfalls fordert der VCD zum Schutz von Fußgängern eine Geschwindig­keits­begrenzung auf 30 km/h für die Gemeinde­verbindungsstraße zwischen Maul­bronn und Schmie.

Betrachte man die gesamte Verkehrspolitik der Stadt Maulbronn, so falle aus VCD-Sicht auf, dass diese sehr autozentriert sei, während der Fuß- und Radverkehr sowie der ÖPNV sehr untergeordnet betrachtet würden.

Dies zeige sich z.B. auch bei der Neugestaltung der Frankfurter Straße, dort sei die Zahl der Autostellplätze so zulasten der Fuß­weg­breite optimiert worden, dass keine zwei Personen mehr nebeneinander auf dem Fußweg gehen könnten, beklagt der VCD. Angesichts dieser Verschlechterungen für die Fußgänger ver­wun­dere es dann nicht, wenn nahezu der gesamte Verkehr in der Stadt per PKW abgewickelt werde – die Alternativen seien ja immer un­attraktiver geworden, kritisiert der VCD.

Insofern könnte solch ein tragischer Unfall zu einem Umdenken bei den Verant­wort­lichen in Stadtverwaltung und Gemeinderat führen hin zu einem Verkehrs­system, das die Interessen der Fuß­gänger, Radfahrer und der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel mehr in den Mittelpunkt rückt und den Autoverkehr nicht mehr weiter einseitig bevor­zugt“, gibt Matthias Lieb zu bedenken.

Der VCD beteiligt sich an der europaweiten Aktion „Tempo 30“ und setzt sich für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerhalb von Ortschaften ein.

­Weitere Informationen zur Verkehrssicherheit und Tempo 30:

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Autor: VCD Baden-Württemberg.

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