VDA will mit E-Autos den CO2-Grenzwert auf­weichen

Pressemitteilung, Berlin, 20. Juli 2012.
VCD: VDA-Forderung ist dreiste Mogelpackung

Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisiert die aktuellen For­derungen des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), die jüngst von der EU vorgeschlagenen Verbrauchs­grenzwerte für Pkw von 95 g CO2/km ab dem Jahr 2020 zu verwässern, aufs Heftigste. Der VDA fordert eine höhere Mehrfach­anrechnung von Elektro­fahrzeugen und nennt als positives Beispiel die USA und China.

Michael Müller-Görnert, Verkehrsreferent beim VCD: „Bereits im Vor­feld des Gesetzgebungsprozesses hat die deutsche Auto­industrie versucht, die Anforderungen an einem Co2-Grenzwert ab­zu­schwächen. Nun will sie, durch die künstliche Erhöhung der anrechenbaren Elektrofahrzeuge, die CO2-Vorgaben für die übrigen Fahrzeuge auf­weichen. Das Paradoxe: Bei einer Mehrfach­anrechnung werden Fahrzeuge angesetzt, die überhaupt nicht auf der Straße landen.

Da Elektrofahrzeuge als Null-Emissions-Autos gelten, sinkt pro verkauftes E-Fahrzeug automatisch die Anforderung für Benziner und Diesel. Nach dem aktuellen Kommissionsentwurf sollen Elektro­fahr­zeuge für den Zeitraum 2020 bis 2023 1,3-fach angerechnet werden, ge­deckelt auf 20.000 Fahrzeuge je Hersteller.

Erhöht man den Anrechnungsfaktor von Elektrofahrzeugen und hebt die Deckelung ganz auf, dann dürfen die konventionellen Fahrzeuge deutlich mehr CO2 ausstoßen. Bei einem konservativ an­genom­me­nen Anteil von fünf Prozent verkaufter Elektrofahrzeuge in 2020 und einem Anrechnungsfaktor von 2,5, wie er in den USA gilt, erhöht sich der CO2-Grenzwert für alle in der EU zugelassenen Benziner und Diesel im Schnitt von 95 g/km auf 109 g/km. Dadurch dürften Neuwagen gegenüber dem aktuellen Kommissionsentwurf rund 0,6 Liter mehr verbrauchen. Bei einem Faktor von 5, der in China geplant ist, würde der zu erreichende Wert sogar auf 127 g/km steigen, also nur knapp unter den bereits für 2015 geltenden CO2-Grenzwert von 130 g/km.

Die VDA-Aussage, den 95-Gramm-Grenzwert nicht in Frage stellen zu wollen, ist einfach nur dreist. Virtuelle Autos, die durch Mehr­fachanrechnung den Grenzwert senken, sind eine Mogel­packung. Die Politik sollte lieber mit einem strengeren CO2-Grenzwert von 80 g/km dafür sorgen, dass tatsächlich mehr Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf die Straße kommen“, kommentiert Müller-Görnert. Dann profitierten Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Umwelt wirklich.

Eine Bewertung des aktuellen Gesetzesentwurfs der EU-Kommission für CO2-Grenzwerte für Pkw für 2020 finden Sie im Internet unter http://www.vcd.org/co2grenzwert.html

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Autor: VCD-Bundesverband.

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