Günstigere Nahverkehrstarife für Kinder- und Jugendliche

Gemeinsame Presseerklärung der Regionalgruppe Rhein-Main des Landes­verbands Hessen des Verkehrsclub Deutschland (VCD) und des Regional­verbands Großraum Frankfurt e. V. von PRO BAHN Hessen, Frankfurt a. M., 30. Mai 2012.

Anlässlich des internationalen Kindertags am 1. Juni 2012 kritisieren die beiden Fahrgastverbände PRO BAHN und Verkehrsclub Deutschland (VCD) in der Region Frankfurt/Rhein-Main in einer gemeinsamen Stellungnahme die immer noch viel zu hohen Fahrpreise für Kinder- und Jugendliche im Bereich des größten hessischen Verkehrsverbunds und fordern dringend Verbesserungen für junge Fahrgäste und deren Eltern ein. Nur so sei eine umweltverträgliche Mobilität zu gewähr­leisten, die dazu beitrage, dass alle Kinder und Jugendlichen — auch aus einkommensschwächeren Schichten — soziale und kulturelle Angebote sowie Bildungseinrichtungen der Region ohne unüber­wind­liche finanzielle Hürden nutzen können.

In ihren Fahrpreisvergleichen stellt die Regionalgruppe Rhein-Main des ökologischen Verkehrsclub Deutschland immer wieder fest, dass die Preise für Kinderfahrkarten in der Mainmetropole, mit derzeit 1,50 € auf überdurchschnittlich hohem Niveau liegen. Darüber hinaus steige der Fahrpreis beim Kinder-Einzelfahrschein im RMV von Tarifzone zu Tarifzone rapide an, bis auf 8,10 Euro für das gesamte Verbundgebiet. Dagegen gelte im gesamten Münchener Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) ein günstiger Einheitspreis von 1,20 Euro. Im Großraum Hamburg zahlten Kinder sogar lediglich 1,00 Euro. Eine Reduktion der Kinder- und Schülerfahrpreise auf maximal 50 Prozent des Normalpreises wäre, so VCD-Sprecher Holger Greiner, “ein erster, längst überfälliger Schritt“. Die Kindertarife sollten — als Minimalforderung der Verbände — bei den leider auch künftig unvermeidlich anstehenden Preis­erhöhungen solange ausgenommen werden, bis ein Niveau von maximal 50 Prozent des Erwachsenen-Tarifs erreicht wird. Erforderlich sei es auch, nach dem Vorbild der Deutschen Bahn oder anderer Verkehrs­verbünde, kostenfreie Mitnahmeregelungen für Kinder in Begleitung ihrer Erziehungsberechtigten einzuführen. So fahren beispiels­weise in Hamburg auf eine Erwachsenen-Tageskarte bis zu 3 Kinder mit.

Die Verbände freuen sich gemeinsam mit der Stadt Frankfurt und der Nahverkehrsorganisation traffiQ über den hier zuletzt erzielten großen Erfolg der um 100,00 Euro vergünstigten “CleverCard”. Hierdurch sei es möglich gewesen, etwa 2.500 junge Menschen zusätzlich als “Stammkunden” für den öffentlichen Nahverkehr zu gewinnen. Dies sollte als positives Beispiel für den gesamten RMV-Bereich dienen. Dadurch sei eindrucksvoll belegt, stellt PRO BAHN-Vorsitzender Thomas Schwemmer klar, “dass ein preislich attraktives und umweltverträgliches Nahverkehrs-Angebot zu höheren Nutzerzahlen bei Bussen und Bahnen beitragen kann“. Tarifsenkungen können weitestgehend kostenneutral und mit positiven Effekten für Umwelt, Verkehr und bei höherer Akzeptanz für den ÖPNV umgesetzt werden. Der nächste folgerichtige Schritt wäre daher eine Vereinheitlichung der entsprechenden An­gebots­struktur im RMV etwa durch die Übertragung der schon vorhandenen CleverCard-Modelle aus den Stadt- und Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Fulda oder dem Vogelsbergkreis auf das gesamte Verbund­gebiet, wodurch sich positive Effekte auf die Auslastung der ohnehin verkehrenden Busse und Bahnen, insbesondere außerhalb der Hauptverkehrszeiten, ergeben könnten.

Mit reduzierten Fahrpreisen im RMV käme man nicht nur seiner sozialen Verantwortung nach, sondern würde langfristig mehr Kinder und Jugendliche an umweltverträgliche Verkehrsträger binden. PRO BAHN und VCD fordern daher die Verantwortlichen in Politik und bei den Verkehrsunternehmen auf, jetzt zu handeln, um ein kinder-, jugend- und familienfreundliches Tarifangebot für den öffentlichen Nahverkehr auf den Weg zu bringen. Leider würden immer noch Unsummen für fragwürdige Verkehrs-Projekte, wie etwa den Flughafen Kassel-Calden oder überflüssige Autobahn-Ausbaumaßnahmen verschleudert. Die zuletzt beschlossene jährliche Kürzung der Mittel für die hessischen Verkehrsverbünde um 20 Millionen Euro, werde im Gegenzug vermutlich zu einer Verschlechterung und weiteren Verteuerung des ÖPNV-Angebots beitragen. Es gelte aber, die nachhaltigen Verkehrs­träger endlich verantwortungsbewusst — entsprechend ihrer Bedeutung für eine kinderfreundliche Zukunfts- und Umweltgestaltung — durch das Land Hessen zu fördern.

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Autor: VCD Hessen.

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