Deutschland droht EU-Klage wegen Fein­staub­belastung

VCD-Pressemitteilung 82/10 – Berlin, 1. 10.2010
VCD: Filter-Förderung verlängern, Umweltzonen und Euro VI forcieren

Wie die EU-Kommission gestern in einem zweiten Mahnschreiben mit­teilte, gehen Deutschland und vier andere EU-Staaten nach wie vor nicht wirksam genug gegen den übermäßigen Ausstoß von Fein­staub­partikeln in die Luft vor. Der ökologische Verkehrsclub Deutsch­land VCD fordert die Bundesregierung dazu auf, daraus die Kon­se­quen­zen zu ziehen und endlich die Gesundheit seiner Bürger und den Klimaschutz vor die Interessen der Autolobby zu stellen.

Werner Korn vom VCD-Bundesvorstand: “Es ist beschämend, dass es Deutschland als Land mit der größten und angeblich so effizienten Autoindustrie noch immer nicht schafft, die euro­päischen Luftqualitätsnormen einzuhalten. Rußpartikel sind krebs­erregend, verursachen Herz-Kreislauf-Probleme und verstärken den Klimawandel. Da der Straßenverkehr in den meisten Fällen Haupt­verursacher erhöhter Schadstoffwerte ist, müssen nun die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Verringerung der Belastungen verstärkt und ausgeweitet werden.“ Auf keinen Fall dürfe sich die Bundes­regierung dabei auf den Faktor Zeit ver­lassen. Zwar habe sich die Luftqualität in den letzten Jahr­zehnten durch verschiedene Maßnahmen insgesamt verbessert, beim Feinstaub hinke Deutschland den Zielsetzungen aber weit hinterher.

Der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm/m3 darf laut EU an ma­xi­mal 35 Tagen pro Tag überschritten werden. Trotz günstiger Witterungs­bedingungen und krisenbedingt niedriger Industrie­produktion und Fahrleistung habe Deutschland diese Grenze im letzten Jahr an 27 Messstellen nicht einhalten können.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Schon jetzt ist klar, dass dieser Grenzwert in diesem Jahr deutlich häu­fi­ger als 2009 überschritten wird. Es liegt nun an der Politik, sich aktiv für die Gesundheit der Bevölkerung einzusetzen und die Luft­ver­schmutzung zu verringern. Dazu müssen Umweltzonen aus­geweitet und verschärft werden. Zudem ist es notwendig, die Förderung der Partikelfilternachrüstungen nicht wie bisher geplant zum 31. Dezember 2010 auslaufen zu lassen, sondern vielmehr zu verlängern. Der vorhandene Fördertopf wird bis dann noch nicht ausgeschöpft sein. Auch zur Beschleunigung des Prozesses hin zu umwelt­freund­licheren Lkw ist die Politik gefragt: In der EU müssen schnell die letzten Details zu Euro VI geklärt werden, damit die Bundes­regierung zeitnah Anreize für eine umgehende Markt­einführung von Euro VI-Lkw setzen kann.

Innerhalb zweier Monate müssen Deutschland und die anderen er­mahnten Staaten – die Tschechische Republik, Österreich, Polen und die Slowakei – laut der Mitteilung der EU-Kommission Stellung­nahmen zu der hohen Feinstaubbelastung einreichen. Wenn die Kommission keine zufriedenstellende Antwort erhält, kann sie vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Verstöße klagen.

Wer sich über die Nachrüstmöglichkeiten informieren möchte, dem empfiehlt der VCD seine gemeinsam mit dem Zentralverband des Kfz-Gewerbes erstellte Partikelfilter-Datenbank. Sie ist im Internet unter www.partikelfilter-nachruesten.de zu finden.

Verwandte Artikel

Autor: VCD-Bundesverband.

Tags: , , , ,

Hinterlasse eine Antwort