Bundeskabinett verzichtet auf Lkw-Maut-An­hebung

VCD-Pressemitteilung 71/10 – Berlin, 08.09.10
VCD: Bundestag muss an Mauterhöhung festhalten

Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisiert die heutige Ent­scheidung des Bundeskabinetts, auf die Anhebung der Lkw-Maut für Euro-3-Fahrzeuge um zwei Cent je Kilometer zum 1. Januar 2011 zu verzichten. Auch die gleichzeitige Absenkung der Maut für die um­welt­verträglicheren Fahrzeugklassen um 0,1 Cent pro Kilo­meter soll rückgängig gemacht werden. Die Anpassung und Differen­zierung der Mautsätze anhand des Schadstoffausstoßes wurde im Herbst 2008 beschlossen und trat zum 1. Januar 2009 in Kraft.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Die Belastung für Mensch und Umwelt durch den Straßengüterverkehr muss gesenkt werden. Neben Verkehrsvermeidung und Verlage­rung auf um­welt­freundlichere Verkehrsträger müssen auch alle technischen Mög­lich­keiten genutzt werden. Die 2008 beschlossene Maut­anpassung und Mautspreizung nach Schadstoffausstoß war ein erster Schritt, um die Lkw-Maut zum umweltpolitischen Lenkungs­instrument zu entwickeln: Die Mautsätze wurden so ausgestaltet, dass sie Anreize schafften, auf weniger umweltschädliche Fahr­zeuge um­zu­steigen. Der Anteil emissions­ärmerer schwerer Nutz­fahr­zeuge ist in der Folge deutlich angestiegen.“ Der Anteil von Euro-3-Lkw an der mautpflichtigen Fahrleistung sei hingegen von rund 49 Pro­zent im Jahr 2008 auf rund 29 Prozent im ersten Halbjahr 2010 gefallen. Ihr Anteil an der Fahrleistung bundes­deutscher Spediteure läge bei unter 25 Prozent.

Die Entscheidung des Bun­des­kabinetts muss noch durch den Bundes­tag bestätigt werden. Der VCD fordert den Bundestag auf, an der Mauterhöhung festzuhalten und die Mautsätze für Euro-3-Lkw wie geplant zum 1. Januar 2011 anzuheben, um den Trend zu saubereren Fahrzeugen nicht zu stoppen. Beim Aussetzen der Maut­erhöhung würden dem Bundeshaushalt überdies Einnahmen von rund 163 Millionen Euro für die Jahre 2011 bis 2013 entgehen.

Heidi Tischmann, VCD-Güterverkehrsexpertin: “Die schwarz-gelbe Koali­tion argumentiert damit, dass sie den Logistikstandort Deutsch­land stärken und die Spediteure nicht weiter belasten will. Doch von der Maut sind wettbewerbsneutral alle Fuhrunternehmen betroffen, die auf bundesdeutschen Autobahnen unterwegs sind. Die Zukunftsfähigkeit der Bereiche Güterverkehr und Logistik hängt zudem nicht ausschließlich von wirtschaftlichen Faktoren ab, son­dern auch davon, ob die Belastungen für Menschen und Umwelt redu­ziert werden können. Der Bundestag muss nun klüger sein als das Kabinett und der Entscheidung seine Zustimmung verweigern.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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