Politik verhindert zukunftsfähigen Verkehr in Braunschweig

VCD-Landesverband Niedersachsen, Pressemitteilung 16/2010, 27.08.2010, Braunschweig.
Ein Drittel des Straßenbahnnetzes gesperrt, VCD: „Braun­schweig verkehrspolitisch auf Abwegen“

Die ab kommenden Montag geltende Sperrung von fast einem Drittel des Braunschweiger Straßenbahnnetzes aufgrund von Bau­arbeiten stellt einen erneuten Rückschlag für die Zukunfts­fähigkeit Braunschweigs im Verkehrsbereich dar“, erklärt Harald Walsberg, stellvertretender Landesvorsitzender des Verkehrs­clubs Deutsch­land (VCD).

Seitdem bereits ein Jahr lang die Oststrecke nach Volkmarode gesperrt ist, sollen ab Montag zusätzlich die Nordstrecke ab Ge­sund­heits­amt nach Wenden und die Hauptverbindung zum Haupt­bahnhof ab Kennedy-Platz gesperrt werden. Damit wären fast 23 km von insgesamt ca. 78 km für mehrere Monate nicht mehr befahrbar. „Sperrungen eines derartigen prozentualen Ausmaßes sind nur aus der ehemaligen DDR bekannt, und auch dort nur aus kleinen Städten mit entsprechend kleinem Straßenbahnnetz. In Braunschweig scheut man sich also nicht, den Bürgern Zu­mutun­gen aufzuerlegen, die seit dem Ende der DDR in Deutschland Zeugnisse der Vergangenheit zu sein schienen“, so Wals­berg. Ersatzverkehrsmittel brauchen in der Regel mehr Fahrt­zeit, und deren Benutzung ist in der Regel mit mehr Organi­sations­aufwand verbunden. Deshalb sind sie bei Fahrgästen weniger beliebt. Ein Imageverlust des Öffentlichen Verkehrs ist also zu befürchten.

Die stark befahrenen Gleise der vor über 50 Jahren gebauten Haupt­strecke zum Hauptbahnhof sind bereits seit Jahren in einem nicht mehr akzeptablen Zustand.

Bei der Nordstrecke nach Wenden liegt der Umbau der Haltestelle Stadion in der angelaufenen Fußballsaison zeitlich sehr ungünstig. Allein die Politik hat durch eine Verhinderungstaktik den Zeitplan über den Haufen geworfen: Der Regionalleiter des Automobilclubs ADAC, der zugleich im Stadtrat und Aufsichtsrat der Braun­schweiger Verkehrs-AG sitzt, engagiert sich nicht etwa für die Ver­besserung des Öffentlichen Nahverkehrs, sondern verzögert und bremst sie unter Begünstigung des Autoverkehrs regelmäßig aus. Auch im Fall des Haltestellenumbaus geschah dies, was bereits für Wirbel in der Öffentlichkeit sorgte.

Die Streckensperrung sei nur ein Mosaikstein einer Schieflage des ge­samt­verkehrlichen Rahmens Braunschweigs, meint der VCD. Dies zeige z. B. der um 15% gegenüber vergleichbaren Städten höher liegende Kfz-Bestand. Autoförderung werde subtil betrieben, etwa indem die Einhaltung der Verkehrsregeln und eines fairen Mit­einanders nur durch einen Bruchteil des Personals anderer Städte überwacht werde. Auch werde dem Pkw-Verkehrsfluss Vorrang vor der Sicherheit des Rad- und Fußverkehrs eingeräumt. „Klima­schutz im Verkehrssektor bleibt in Braunschweig offen­sichtlich auf der Strecke“, so Walsberg.

Außerdem kommt seit 15 Jahren das Projekt der RegioStadtBahn nicht aus der Planungsphase heraus – bundesweit einmalig. „So­lange rückwärtsgewandte Kräfte vorwiegend aus der Autolobby die Richtung vorgeben, wird Braunschweig aus seinem verkehrs­politischen Dämmerschlaf einfach nicht herauskommen können und seine Zukunft verspielen. Manchmal reicht offenbar schon ein ADAC-Regionalleiter dazu aus. Von einer zukunftsfähigen Verkehrs­politik sind wir also noch meilenweit entfernt!“, so Walsberg.

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Autor: VCD Niedersachsen.

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