VCD Hessen, Pressemitteilung 19/2010, Frankfurt, 24. Juni 2010
Zeitpunkt der Bekanntgabe schlechter Stil
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert die angekündigte Preiserhöhung im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Die Preiserhöhung liegt erneut oberhalb dem Anstieg der Verbraucherpreise. Der RMV ist bereits jetzt überdurchschnittlich teuer. Zudem sieht der Umwelt- und Verbraucherverband im Zeitpunkt der Bekanntgabe einen „schlechten Stil“. „Wenn die Verbraucherpreise nur um 1,2 % im Jahr steigen, sind die 1,7 % wieder ein Griff in die Taschen der Pendler“, so Martin Mützel, VCD-Landesgeschäftsführer. Die Begründung, der Verkehrsverbund würde nur gestiegene Personal- und Energiekosten weiter geben, überzeugt den VCD nicht. Mützel: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn der RMV die geänderten Energiepreise weiter geben würde. Diese sind laut statistischem Bundesamt nämlich um 1,1 % niedriger als im Mai 2009.“ Die Bruttolöhne und –Gehälter waren, ebenfalls laut Statistischen Bundesamt, im ersten Quartal 2010 nur 0,8 % höher als ein Jahr zuvor. Zudem betone der RMV seine steigende Effizienz, auch dies sollte zu niedrigeren Tarifen führen. „Irgendwann muss der Fahrgast auch etwas davon haben, dass die Züge immer voller werden!“ Der VCD vermutet, dass hinter der Preiserhöhung auch Sparvorgaben der öffentlichen Hand stehen. Mützel: „Nach Bankenrettung und Abwrackprämie ist leider weniger Geld für umweltfreundliche Verkehrsmittel vorhanden“.
Wie verschiedene Untersuchungen und Fahrpreisvergleiche des Verkehrsclubs belegten, so Holger Greiner von VCD Regionalgruppe Rhein-Main, sei der hessische Verkehrsverbund schon jetzt im Bundesvergleich „überdurchschnittlich teuer, so dass weitere Erhöhungen der Tarife problemlos vermieden werden könnten und müssten“. Dies treffe besonders auf Fahrten in der Region zu. Hier seien Einzelfahrscheine, Tageskarten oder Monatskarten um jeweils von 25- bis zu 40% teuer als in vergleichbaren Verkehrsverbünden wie etwa in den Regionen Hamburg oder München.
Der VCD bedauert zudem, dass die Tarifreform im RMV wieder einmal nur für die mittlere Zukunft angekündigt wird. Mützel: „Die Erhöhungen bleiben im historisch verwachsenen Wabensystem. Es wird bislang keinerlei Versuch unternommen, das System übersichtlicher zu machen oder bestehende Inkonsistenzen aufzulösen.“ Der VCD begrüßt, dass das RMV-Tarifsystem in den kommenden Jahren reformiert werden soll, wenn es diesmal nicht wie in der Vergangenheit nur bei unkonkreten Ankündigungen bleibt.
Kritik äußert der Umwelt- und Verbraucherverband zudem am Zeitpunkt der Bekanntgabe: „Nicht nur zu Beginn der Ferienzeit, sondern auch kurz vor Feierabend wenige Stunden vor einem wichtigen Fußballspiel – das ist schlechter Stil und klingt, als wolle der Verbund den Diskussionen ausweichen“, so Mützel. Er wünscht sich, dass die Verkehrsunternehmen statt dessen eine Debatte darüber anstoßen, was ein guter Nahverkehr der Gesellschaft wert sein muss.
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Autor: VCD Hessen.
Tags: Energiepreis, Fahrpreiserhöhung, Pendler, RMV, Verkehrsverbund