VCD: Elektroautos leisten auf absehbare Zeit keinen Beitrag zum Klimaschutz

VCD Baden-Württemberg e.V. – Pressemitteilung Nr. 17/10 – Stuttgart, 11. Mai 2010
Elektromobilität – Öffentliche Anhörung des Wirtschaftsausschusses im Landtag
Verkehrsclub fordert zukunftsfähiges Gesamt­mobilitäts­konzept

Anlässlich der heute stattfindenden öffentlichen Landtagsanhörung zum Thema Elektromobilität fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V. ein grundsätzlich neues, zukunftsfähiges Mobilitäts­konzept. Weder löse das Elektroauto die grundsätzlichen Probleme des Straßenverkehrs, noch leiste es in absehbarer Zeit einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz. Vielmehr müsse die Landes­regierung die Weichen für eine klimafreundliche Mobilitäts­kultur stellen.

VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb sagte: „Elektromobilität darf sich nicht auf den Austausch von Verbrennungsmotoren durch Elektroantriebe in herkömmlichen Autos beschränken. Die aktuelle Diskussion muss dazu genutzt werden eine grundsätzlich neue, zukunftsfähige Mobilitätskultur zu etablieren. Immerhin stehen mit elektrisch angetriebenen Zügen und Straßenbahnen sowie elek­trisch unterstützen Fahrrädern hervorragende Verkehrsmittel zur Verfügung, die einen großen Teil des Autoverkehrs ersetzen können.“

Die wesentlichen Probleme des Straßenverkehrs bleiben nach Einschätzung des VCD auch mit Elektroautos bestehen. Matthias Lieb sagte: „Weder beim Unfallgeschehen noch beim Flächen­verbrauch können Elektroautos einen Vorteil für sich verbuchen, beim Verkehrslärm nur sehr eingeschränkt. Und bis Elektroautos einen spürbaren Beitrag zur Reduktion von Luftschadstoffen und CO2-Ausstoß leisten können ist es noch ein weiter Weg.“ Elektroautos als Abnehmer für neuen Kohlestrom oder überflüssigen Atomstrom lehnt der VCD ab. Mit dem aktuellen Energiemix ergebe sich für Elektroautos keine bessere CO2-Bilanz im Vergleich zu verbrauchsarmen Verbrennungsmotoren.

Matthias Lieb: „Leichte Elektroautos – betrieben mit zusätzlichem, regenerativ erzeugten Strom – können mit ihrer kurzen Reichweite in Zukunft einen Beitrag zu emissionsfreier Mobilität leisten. Ohne weitgehende Verkehrsvermeidung, die Verlagerung auf umwelt­freundliche Verkehrsmittel und die Steigerung der Energieeffizienz aller Fahrzeuge – unabhängig von der Antriebsart – ist eine Mobilitätskonzept für die Zukunft aber nicht denkbar.“

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Autor: VCD Baden-Württemberg.

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5 Antworten zu “VCD: Elektroautos leisten auf absehbare Zeit keinen Beitrag zum Klimaschutz”

  1. Jim Bob sagt:

    “bis Elektroautos einen spürbaren Beitrag zur Reduktion von Luftschadstoffen und CO2-Ausstoß leisten können ist es noch ein weiter Weg.“

    Ein Elektroauto kann jederzeit mit regenerativ erzeugtem Strom , also auch später, oder halt pö a pö mit Strom der immer mehr regenerativen Anteil hat, geladen werden.
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    Bei einem Auto mit Verbrennungsmotor gibt es diese Möglichkeit nicht !
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    Das heißt doch letztlich alle Sprit-Autos die heute gebaut werden, brauchen die nächsten 10 – 15 Jahre Sprit, sofern der Motor so lange mit macht.
    Autos die 2020 gekauft werden, würden also weitere 10-15 Jahre Sprit brauchen, bloß wo nehmen wir diesen 2030 noch her, aus der Tiefsee (siehe Golf von Mexico) ? Oder Energie zehrend und Umwelt verschmutzend aus Ölsanden in Kanada ?
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    Elektroautos hingegen die heute gekauft werden, fahren auch noch in 20 Jahren und da sieht der Strommix auch weltweit schon weit besser aus. Elektroautos die 2020 gekauft würden könnten dann 2040 voraussichtlich nahezu emissionsfrei fahren.
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    Das Festhalten am Verbrennungsmotor, meinetwegen auch mit niedrigerem Verbrauch, erscheint mir genauso hirnrissig wie der Neubau von Kohlekraftwerken mit CO2 Abscheidung und anschließender Verbringung in unterirdischen Speichern.
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    Das mit der Effizienzsteigerung bei dem Verbrennungsmotor ist doch letztlich Augenwischerei, selbst wenn es der Autoindustrie gelänge sparsamere Motoren zu bauen, so hebt sich das Ganze doch wieder über die in Zukunft energieaufwendigere Erdölförderung wieder auf !
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    Irgendwie erinnert mich das alles an die Anfänge der Windräder, dort wurde auch immer behauptet das sei alles zu teuer, lasst uns effizientere Kohle- oder Gaskraftwerke bauen.
    Wo könnten wir heute schon sein, hätte es nicht diese Gegenwehr gegeben ?
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    Ähnlich könnte es dem Elektroauto auch gehen, nur haben sich offensichtlich die Fronten vertauscht. Waren es damals die “Ökospinner” die letztlich, Gott sei dank, die Windenergie zum heutigen Erfolg geführt haben, werden heutzutage das Elektroauto ausgerechnet von Organisationen wie Greenpeace und dem VCD schlecht geredet.
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    Als VCD Mitglied der ersten Stunde kommt mir das schon sehr kommisch vor, sollte ich vielleicht besser zum ADAC wechseln ?

  2. Werner Korn sagt:

    Hallo Jim Bob,

    die automobile Zukunft wird in irgendeiner Form elektrisch sein. Es weiß nur keiner so genau wann und in welchem Umfang.
    Der aktuelle Hype führt m.E. nur dazu, dass die vielen anderen, wichtigen Baustellen (Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung, umfassende Effizienzsteigerung) verdrängt werden. Außerdem habe ich keine Lust darauf, dass sich die Politik durch diesen Hype zu Subventionen – welcher Art auch immer – für die Autoindustrie hinreißen lässt, die mit veralteten (Premiumlimousinen und Geländewagen) und blödsinnigen (E-Mini, E-Golf … zu groß, zu schwer) Produkten überkommene Geschäftsmodelle aufrecht erhalten will.

    Die These, die E-Autos (so viele gibt es ja noch gar nicht zu kaufen) von heute würden in 20 Jahren noch emissionsfrei fahren, halte ich für gewagt. Zumindest die Batterien halten das auf keinen Fall durch, und die müssen ja auch aufwändig hergestellt, unterhalten, recycelt und entsorgt werden.

    Und zum Strommix: Könnte man den erneuerbaren Strom separat aus dem Netz fischen, dann könnte man E-Autos explizit mit solchem Strom betreiben. Das geht aber nicht. Davon abgesehen, macht es laut UBA mehr Sinn, neuen, erneuerbar erzeugten Strom erst einmal in Haushalten einzusetzen (größere CO2-Ersparnis). Wenn dann irgendwann einmal ausreichender Ökostrom zur Verfügung steht, dann kann der auch in größerem Maßstab verfahren werden. Und zwar nicht nur mit E-Autos, sondern auch mit E-Bahnen, E-Bussen und E-Fahrrädern.

    Mir scheint offensichtlich, dass auch eine zunehmende Elektrifizierung des Autoverkehrs diesen im heutigen Umfang nicht retten kann. Der Autoverkehr muss deutlich abnehmen. Die Autos müssen völlig neu gedacht werden (leichter, langsamer, nur für kurze Reichweiten). In diesem disruptiven Systemwandel wird der ein oder andere Akteur (Hersteller, Zulieferer) verschwinden, einige werden sich wandeln, und viele neue Akteure werden hinzukommen.

    Der Prozess ist spannend und steht erst am Anfang. Der VCD wird diesen Prozess kritisch und konstruktiv begleiten. Dazu gehört m.E. auch, dass man ab und an Luft aus zu groß gewordenen Blasen lässt.

    Und keine Sorge: Du bist und bleibst im VCD genau an der richtigen Stelle.

  3. Vielleicht kann man anhand der Polemik von Hermann Scheer (http://www.eurosolar.de/de/index.php?option=com_content&task=view&id=1314&Itemid=335) “unverständlich, kurzsichtig und widersprüchlich” etwas deutlicher darstellen, wo das von der Autolobby geschickt genutzte (Respekt!) Missverständnis liegt: Sobald man die Diskussion auf “Elektroauto oder Auto mit Verbrennungsmotor” verkürzt, gehen die wichtigsten Ansätze für eine umweltfreundliche Verkehrsgestaltung flöten. Wenn man den Autoverkehr als gegeben hinnimt und dessen Menge für unbeeinflussbar hält, ist die Kombination aus regenerativ erzeugten Strom (knapp), umweltfreundlichen, ausdauernden Batterien (großes Problem) und Elektromotor (kein Problem) langfristig (fast) alternativlos. Das ist genau der gleiche Ansatz, mit dem wir ständig neue Autobahnen verkauft bekommen: Der Straßenverkehr ist da und wir müssen ihn bewältigen. Wir brauchen aber weniger motorisierten Individualverkehr, wir brauchen mehr Fuß und Rad, mehr Bus und Bahn. Letztere übrigens bevorzugt elektrisch.

  4. Florian Müller sagt:

    Obwohl ich persönlich ganz am Anfang meines Meinungsbildungsprozesses stehe, fällt mir schon jetzt die Schere im Kopf der Leute auf, die zunächst mal der E-Mobilität die Rote Karte zeigen und die wahre ökologische Mobilität der Füße und Fahrräder beschwören. Selbst wenn letzteres tatsächlich die WAHRheit ist, bleibt es Tatsache, dass (in Deutschland) 80% des Personenverkehrs mit dem Auto stattfindet – unabhängig davon, ob man/frau das gut oder schlecht findet. Und genauso wahr ist, dass dieser Verkehr in den nächsten Jahren fast ausschließlich mit umweltschädlichen Verbrennungsmotoren stattfinden wird. Da sollte doch ein Blick durch die Ökobrille auch mal die – zugegebener Maßen noch entwicklungsfähige – E-Mobilität fokusieren anstatt schon bei den kleinen E-Motörchen der Pedelecs Verrat an der reinen Lehre zu wittern.

  5. Jim Bob sagt:

    Leider muss ich beim VCD in der letzten Zeit eine immer mehr rückwärts gerichtete Einstellung feststellen.
    Anstatt nach vorne gewand die Chancen des Elektroauto, gerade auch in Verbindung mit dem öffentlichen Fernverkehr heraus zu arbeiten muss man andauernd Kommentare wie diesen, heute auf der SWR Internetseite gelesen, vernehmen.

    Zitat “Gert Lottsiepen Experte für Elektroantriebe beim VCD findet jedenfalls ganz deutliche Worte. Das alles sei “eine Riesenshow”, da würden Erwartungen geweckt, die in absehbarer Zeit nicht einzuhalten seien. Von bezahlbaren Elektroautos mit einer solchen Reichweite sind wir seiner Meinung nach noch immer weit entfernt.”

    Diese Argumentation erinnert mich schwer an die anfänglichen Kommentare zur Windenergie ! Das geht nicht, das bringt nicht, alles viel zu teuer !

    Wären wir dieser Argumentation gefolgt, hätte mit Sicherheit eine andere Nation das Rennen um Know How und Arbeitsplätze im Bereich Windenergieanlagen gemacht.

    Die ständige destruktive Nörgelei des VCD geht mir so langsam wirklich auf den Wecker, positive Entwicklungen sollte man mit konstruktiver Kritik begleiten, vom VCD erlebe ich derzeit das Gegenteil !

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