Verbrauchslabel für Pkw

VCD-Pressemitteilung 40/10 – Berlin, 10.05.10
Geplante Kennzeichnung nicht im Sinne des Klimaschutzes

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) kritisiert den Vorschlag der Bundesregierung zum CO2-Label für Pkw scharf. Zwar sei eine anschauliche Verbrauchskennzeichnung für Pkw, die sich wie etwa bei Kühlschränken an einer Farbskala orientiert und wie sie der VCD seit 2003 fordert, zu begrüßen. Das geplante Label sei in der aus­gehandelten Form jedoch ökologisch nicht zielführend.

Werner Korn vom VCD-Bundesvorstand: “Die Kennzeichnung, so wie sie jetzt geplant ist, ist ökologisch kontraproduktiv, denn sie be­vorzugt Fahrzeuge mit einem hohen Gewicht. Zwar ist es durchaus möglich, die Größe und die Nutzungsmöglichkeiten eines Pkw zu berücksichtigen, aber hier werden schwere Fahrzeuge extrem gepusht. In Geheimverhandlungen zwischen Bundes­wirtschafts­ministerium und den deutschen Autoherstellern wurde so ein Kompromiss erzielt, der vor allem darauf abzielt, neuen schweren Nobelkarossen ein grünes Mäntelchen um­zu­hängen.

Nach Berechnungen des VCD bekäme der Porsche Cayenne Hybrid, eine geländegängige Luxuslimousine mit 380 PS, einer Höchst­geschwindigkeit von 242 km/h und einem CO2-Austoß von 193 g/km, die Kennzeichnung B. Der Audi Q7 3.0 TDI Clean Diesel mit einem Verbrauch von 8,4 l Diesel und einem CO2-Ausstoß von 219 g/km erhielte ein C. Auch schwere, altbackene Geländewagen wie der Freelander des Herstellers Land Rover kämen in den positiven Bereich. Moderne, effiziente Kleinwagen wie die fast baugleichen Toyota Aygo, Citroen C1 und Peugeot 107 mit einem Verbrauch von 4,5 Liter Benzin und einem CO2-Ausstoß von 106 g/km bekämen hingegen ein D. Für ein A müssten diese Modelle unter 3,5 Liter kommen. Ein 2,5 Tonnen schwerer PS-Bolide dürfe hingegen fast acht Liter Sprit verbrauchen und dennoch mit einem grünen A rechnen.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Der skan­dalöse Kompromiss zeigt deutlich: Es geht nicht um Klima­schutz, sondern nur um die Verkaufsinteressen der deutschen Auto­industrie, die ihre Dickschiffe absetzen will. Daimler zum Bei­spiel setzte durch, dass die Bewertungskurve so gedreht wurde, dass sein neues Flaggschiff, der 250 km/h schnelle Mercedes S 400 Hybrid mit einem CO2-Ausstoß von 186 g/km im Labor­test ein C erhält. Genau diese Kennzeichnung bekäme auch der Mercedes A 180 CDI mit einem CO2-Ausstoß von nur 128 g/km sowie der Smart cdi, das Serienauto mit dem aktuell niedrigsten CO2-Ausstoß von 86 g/km. Es darf nicht sein, dass Pkw, die beim Verbrauch und CO2-Ausstoß um mehr als 100 Prozent auseinander liegen, in einer Bewertungsstufe sind. Insgesamt ist die Bewertung viel zu lasch, mittelmäßige Autos und schwere Karossen schneiden zu gut ab.

Der VCD fordert ein ambitioniertes Vorgehen. Es dürfe nur für wirk­lich effiziente Fahrzeuge ein A vergeben werden. Jetzt schon ein A+ und A++ einzuführen, sei widersinnig. Bestnoten sollten nur Fahr­zeuge erhalten, die wirklich richtungsweisend sind. Der VCD und andere Umweltverbände werden in Kürze eine Alternative vorstellen, die sich wie der BMWi-Entwurf am Kühlschranklabel orientiert, aber nicht die Handschrift der deutschen Autoindustrie, sondern die des Klimaschutzes trägt.

Der VCD stellt heute im Laufe des Tages für ausgewählte Pkw eine Tabelle mit den entsprechenden Verbrauchskennzeichnungen auf Grundlage des Bundesregierungsvorschlages unter www.vcd.org/co2-label.html online.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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