Elektromobilitätsgipfel

VCD-Pressemitteilung 36/10 – Berlin, 03.05.10
VCD fordert zukunftsfähiges Mobilitätsgesamtkonzept

Anlässlich des Elektromobilitätsgipfels der Bundesregierung fordert der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) ein neues nachhaltiges Mobilitätskonzept. Die wesentlichen Probleme des Straßenverkehrs löse auch das Elektroauto nicht, der Pkw-Verkehr bleibe klima­schädlich. Nach Plänen der Bundesregierung sollen im Jahr 2020 lediglich eine Millionen Elektrofahrzeuge auf der Straße sein – bei einem Gesamtbestand von über 45 Millionen. Daher müssten nun vielmehr die Weichen für eine klimafreundliche Mobilitätskultur in Deutsch­land gestellt werden.

Michael Gehrmann, VCD-Bundes­vorsitzender: “Wenn die Bundes­regierung ihre selbstgesteckten Klimaziele auch im Verkehr erreichen will, lässt sich das nur mit einem Zukunftskonzept für die Mobilität umsetzen, das die Bedürfnisse der Menschen, den Umwelt- und Klimaschutz, den demografischen Wandel und die Kosten des Verkehrs integriert und die notwendigen Maßnahmen auflistet. Langfristig wird die Elektromobilität ein Baustein eines CO2-armen Straßenverkehrs sein, daher ist es richtig, dass die Bundes­regierung die Grundlagenforschung fördert. Kurz- und mittelfristig spielen Elektroautos jedoch keine nennenswerte Rolle. Es kommt darauf an, unnötige Verkehre zu vermeiden, Verkehr auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu verlagern und die Energie­effizienz aller Fahrzeuge – unabhängig von ihrer Antriebsart – zu verbessern, um so den klimaschädlichen CO2-Ausstoß zu senken.

Bis 2050 soll nach dem Willen der Bundesregierung der bundesweite CO2-Ausstoß um 80 Prozent gegenüber 1990 sinken. Der VCD fordert ein solches Ziel auch für den Verkehr. Dazu brauche es eine Stadt der kurzen Wege und einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr, dessen Rückgrat elektrisch betriebene Züge und Straßen­bahnen bilden. Elektroautos werden auch in zehn oder zwanzig Jahren noch 10.000 Euro teurer sein. Sie passen mit ihrer begrenzten Reichweite in einen modernen Verkehr der Zukunft, seien jedoch ungeeignet für eine autofixierte Mobilität, wie sie der Autoindustrie vorschwebe, die von einem zusätzlichen Geschäft mit Zweit- und Drittwagen träume.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Wir be­grü­ßen die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, endlich eine anschauliche Verbrauchskennzeichnung für Pkw einzuführen, wie sie der VCD seit 2003 fordert. Nach Informationen des VCD orientiert sich dieses CO2-Label an dem für Kühlschränke und soll den Verbrauchern die Auswahl klimaschonender Autos erleichtern. Elektroautos dürfen jedoch bei der Klassifizierung keinesfalls automatisch mit einem grünen Balken und einem A gekennzeichnet werden. Auch sie müssen aus Gründen des Verbraucherschutzes ihre Energie­effizienz beweisen. Dafür braucht es dringend realistische Tests für den Energieverbrauch.“ Verlässlichen Zahlen zum Energie­verbrauch der Elektro-Autos gebe es bis heute noch viel weniger als für Diesel und Benziner.

Der VCD vermisst zudem eine Politik der Bundesregierung aus einem Guss: Zeitgleich zur Rede der Kanzlerin verkündete das Bundes­umweltminsterium, dass Marktanreizprogramm für erneuer­bare Energien und Vorhaben der Klimaschutzinitiative würden vom Finanz­ministerium gestoppt. Gehrmann: “Es kann nicht sein, dass wort­reich die Förderung der Elektromobilität verkündet wird und sich die Autohersteller auf weitere Milliarden freuen können, während anderswo der Klimaschutz ins Hintertreffen gerät.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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Eine Antwort zu “Elektromobilitätsgipfel”

  1. Jim Bob sagt:

    “Kurz- und mittelfristig spielen Elektroautos jedoch keine nennenswerte Rolle.”
    Was mich an dieser Aussage stört, ist das hier nicht nachhaltig gedacht, es mag sein, dass das E-Auto auf Grund der anfänglich geringen Marktdurchdrängung erst mal wenig Auswirkungen zeigt. Aber dennoch ersetzt jedes Elektroauto ein Auto mit Verbrennungsmotor. Vorausgesetzt ein solches Auto wird von der Karosserie vernünftig gebaut, ist auch die Nutzungsdauer höher als die eines Verbrenner-Auto. Drehstrom-Elektromotoren haben in der Regel eine wesentlich höhere Laufleistung als ein Verbrennungsmotor, daher könnte ein Elektroauto durchaus bis zu einem zweifachen Lebenszyklus im Vergleich zum Verbrennungsmotorauto haben.
    Dies und noch viele andere Punkte werden in der Diskussion nahezu immer vergessen. Was ist z.B. mit dem Ölwechsel und Ölverbrauch beim Verbrennungsmotor, die höhere Feinstaubbelastung durch den höheren Bremsbelag Verschleiß beim Verbrenner, die schwierige Wiederverwendbarkeit der mit Öl verschmutzten Motorteile ?

    Alle diese Punkte sollten in die Diskussion unbedingt mit einfließen, dann wird auch erkennbar welches hohe Potenzial auch schon wenige Elektroautos haben und warum es durchaus sinnvoll wäre die Elektromobilität zu fördern.
    Ähnlich wie bei der Photovoltaik würde sich sehr schnell einSkaleneffekt einstellen und weit schneller als vermutet wäre das Elektroauto sogar preiswerter in der Anschaffung als ein Verbrenner, im Unterhalt wäre das Elektroauto sowieso günstiger !

    Für den Wirtschaftsstandort Deutschland wäre es zudem Fatal würde man hier weiterhin Entwicklungen verschlafen.
    In Frankreich ist z.B. Renault mit der Kooperation mit Better Place einen sehr mutigen Weg gegangen, ich bin mir aber auch sicher das sich der Mut auszahlen wird. Schließlich hat Renault und der Partner Nissan hierdurch eine Vorreiterposition in Israel und Dänemark, die ihnen so schnell keiner madig machen wird. Auch erste chinesische Firmen zeigen Interesse an dem Konzept, die Firma Cherry ist sogar schon mit im Boot.

    Erfolgsversprechend bei dem Better Place Konzept ist nicht nur die Möglichkeit binnen 3 Minuten wieder ein voll geladenes Elektroauto zu haben, es ist auch das Abkoppeln vom Besitz des noch sehr teuren Akkus, was diesem Konzept zum Erfolg verhelfen kann.
    Genau durch diese Maßnahme wird ein Elektroauto weit günstiger sein als ein konventionelles Auto, wenn die laufenden Kosten sich dann noch im etwa gleich Rahmen oder sogar unter dem eines normalen Auto bewegen, wird kein vernünftiger Mensch mehr einen Verbrenner haben wollen.
    Wenn die Finanzierung erst mal steht sind die teuren Akkus langfristig gesehen für Better Place kein Problem, denn auch ein nicht mehr für die Fahrzeuge geeigneter Akku kann durchaus für Speichereinheiten im Bereich der Erneuerbaren Stromversorgung sehr wertvoll sein.

    Zudem wird durch die standardisierte Akkutechnik bei dem Wechselakkusystem von Better Place ein sehr schneller und starker Skaleneffekt eintreten und auch für Betterplace werden die Akkus billiger werden. Hinzu kommt noch die technische Entwicklung, bei der nun auch auf Grund des Entwicklungsdruck sehr schnell sich die Ladekapazitäten pro kg Batterie erhöhen und damit die Preise sich zusätzlich verringern werden.

    Was ich daher von meinem Verkehrsclub erwarte ist das durchaus auch kritische Begleiten des Überganges vom Verbrenner zum Elektromotor, aber vor allem tragfähige und für die Umwelt und den Menschen gute Konzepte zu erarbeiten und in der Öffentlichkeit publik zu machen.

    Ich bin jedenfalls schon mal froh das der VCD nicht die gleiche Scheuklappen-Hardlinerposition einnimmt wie das Greenpeace tut, bei denen sich der Hausinterne Verkehrsspezialist offensichtlich ausschließlich auf die Verbrauchsenkung beim Verbrennungsmotor fest geschossen hat.

    Mehrere Faktoren sprechen klare Sprache für die Abschaffung des Verbrennungsmotor in der Mobilität:
    Das ist zum einen die Endlichkeit des Energiträgers Erdöl, dann die, Flächenbedarfs bedingt, nicht mögliche Ersatzversorgung durch Energiepflanzen.
    Der Faktor Energiebedarf bei der Erdölförderung, der zunehmend steigt, auch die zunehmende Umweltverschmutzungsgefahr durch die Ölförderung, siehe Golf von Mexico und Ölförderung aus Ölsand in Kanada.
    Dagegen steht der im Vergleich weit geringer Energiebedarf des Elektroautos oder auch Elektrobusse, -Zweiräder usw., so lässt sich z.B. der Energiebedarf des durchschnittlichen Autofahrers pro Jahr mit einer Photovoltaikfläche von 20qm decken, ein Dieselfahrzeug verbraucht hierfür 5000qm Anbaufläche, also das 250 fache an Fläche !
    Dann wäre da noch die unendlich verfügbare Energie aus Sonne, Wind, Wasser usw. , zumal das Elektroauto intelligent vernetzt, den Ausbau und das Management der Erneuerbaren Stromerzeugung perfekt unterstützen könnte.
    Auch ein wichtiger Punkt sind die weit besseren Integrationsmöglichkeiten die das Elektroauto mit öffentlichen Fernverkehrsmittel bietet, die Kombination kleines Elektroauto im Fernverkehrszug drängt sich einem förmlich auf.

    Diese Themen sollte der VCD unbedingt aufgreifen und öffentlich machen !

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