VCD zur Jahresbilanz 2009 der DB AG

VCD-Pressemitteilung 19/10 – Berlin, 25.03.10
VCD: Infrastruktur verbessern/Fahrpreise nicht erhöhen

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) zeigt sich erfreut über den überraschend guten Jahresabschluss der Deutschen Bahn AG (DB AG) für das Jahr 2009, den Bahnchef Rüdiger Grube heute auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt vorstellte. Trotz des Ein­bruchs im Schienengüterverkehr von rund 25 Prozent und tech­ni­scher Mängel bei Bahninfrastruktur und Fernverkehrszügen macht der Konzern Gewinne. Es sei jedoch zu befürchten, dass die Gewinne, die aus den vom Steuerzahler finanzierten Bereichen Netz und Nahverkehr stammen, in den zur Privatisierung vorgesehene Mutter­konzern umgelenkt und für den Kauf neuer Firmen verwendet werden. Der VCD fordert, mit den Netzgewinnen Schienen und Bahnhöfe zu ertüchtigen und so zur Verbesserung des Schienen­verkehrs beizutragen. Aufgrund der anhaltenden Probleme im Personenverkehr sollte zudem auf Fahrpreiserhöhungen in diesem Jahr verzichtet werden.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Trotz krisen­bedingten Rückgangs im Güterverkehr und der haus­gemach­ten Probleme im Schienenpersonenfernverkehr schreibt die DB AG schwarze Zahlen. Allerdings zieht sie dafür Millionen­gewinne aus den staatlich finanzierten Bereichen Nahverkehr und Schienennetz. Angesichts der großen Qualitäts­mängel im Schienennetz und auch daraus resultierender Zugausfälle und Wartezeiten ist das ein Skandal. Die Infrastruktur wird durch Steuergelder subventioniert. Wirft die Infrastruktur­gesellschaft DB Netz Gewinne ab, dürfen diese nicht in den Mutterkonzern fließen und für überteuerte Prestigeprojekte á la Stuttgart 21 und die mögliche Übernahme von Konkurrenten wie Arriva eingesetzt werden. Die Einnahmen aus Trassen- und Stationsentgelten müssen stattdessen in die hiesige Bahninfrastruktur investiert werden und das Angebot für alle Kunden verbessern.“ Im Koalitionsvertrag habe sich die schwarz-gelbe Regierung vorgenommen, die Abführung der Gewinne der DB Netz an den Mutterkonzern zu unterbinden. Hier müssten schnellstmöglich Taten folgen.

Die Fahrgäste hätten seit vielen Monaten mit massiven Ein­schränkungen im Fernverkehr zu leben, da noch immer ICEs wegen technischer Probleme in die Werkstatt müssten. Züge führen statt im Stundentakt nur alle zwei Stunden, seien nur halb so lang wie angekündigt oder fielen ganz aus. ICEs würden oft durch ICs beziehungs­weise Interregiowagen ersetzt, obwohl Fahrkarten für den höherwertigeren Zug verkauft worden seien. Auch im Nahverkehr und speziell bei der Berliner S-Bahn müssten Fahrgäste noch immer mit erheblichen Einschränkungen des Angebots leben.

Gehrmann: “Die Fahrgäste bekommen seit einem Jahr nicht die Qualität, für die sie bezahlen. Trotzdem hat die DB die Fahrpreise zum Fahrplan­wechsel im Dezember 2009 erneut erhöht. Im Winter ist es zu weiteren Zugausfällen gekommen. Winter ist jedoch keine Natur­kata­strophe, sondern ein jährlich wiederkehrendes Ereignis, auf das die DB ausreichend vorbereitet sein muss. Wir fordern von der DB AG, 2010 auf Fahrpreiserhöhungen zu verzichten – das ist das Mindeste, was die Fahrgäste jetzt erwarten. Wer trotz mangelnder Qualität stetig die Preise anzieht, vergrault selbst Stamm­kunden und schadet dem umweltfreundlichen Verkehrs­mittel Bahn langfristig.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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2 Antworten zu “VCD zur Jahresbilanz 2009 der DB AG”

  1. Krieger sagt:

    Meiner Ansicht nach müssen das Netz und der Betrieb unbedingt getrennt werden. Dazu müssen die Schulden von 15 Milliarden eindeutig zugewiesen und die Eigentumsverhältnisse eindeutig geklärt werden. Es muss Schluss gemacht werden mit dem Schulden machen, wobei das Netz und die Immobilien als Sicherheiten dienen, da das rollende Material keine ausreichenden Sicherheit bietet. Die Bahn muss sich ausschließlich auf die Tätigkeiten, wie im Grundgesetz verankert, beschränken. Das heißt: Schluss mit der “Einkaufstour” im Ausland. Dann reichen die Umsätze im Inland. Wozu wird neben der Deutschen Bahn noch eine Schenker Rail eingerichtet und wem gehört dieser Laden dann? Abschließend: die Bahn AG muss endlich eine saubere und komplette Bilanz vorlegen, in der auch die “Geschenke” der Bundesregierung ordnungsgemäß ausgewiesen sind (siehe Beamte im Dienst der Bahn, die direkt vom Bund bezahlt werden etc.) Wichtig sind auch die Ergebnisse der ausländischen Engagements! Der Bankenskandal reicht – da muss nicht auch noch die Bahn AG herumspielen als global Player – denn für die Verluste muss dann doch wieder der Deutsche Steuerzahler blechen.
    Wilhelm Krieger, Erlangen

  2. VCD-Blog sagt:

    Bahn im Hitzechaos – VCD fordert dringende Kurskorrekturen…

    VCD-Pressemitteilung 59/10 – Berlin, 15.07.10
    Angesichts der massiven hitzebedingten Probleme bei Fernzügen der Deutschen Bahn AG (DB AG) fordert der ökologische Ver­kehrs­club VCD den Konzern auf, Konsequenzen zu ziehen und sich dringend…

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