Pressemitteilung VCD Hessen, Frankfurt a. M. – 22. Februar 2010.
Nahverkehrstarife im Städtevergleich
Der alljährlich vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) vorgelegte Fahrpreis-Vergleich in 13 deutschen Großstädten belegt, dass sich die Fahrpreise in Frankfurt weiterhin auf sehr hohem Niveau bewegen. Die im Dezember 2009 durchgeführte Anhebung bei den Tarifen für den Öffentlichen Nahverkehr, habe, so VCD-Sprecher Holger Greiner, “dazu beigetragen, dass sich die Situation eher noch verschärft hat“. Die Tarife des Rhein-Main-Verkehrsverbundes für Einzel- und Monatskarten im Stadtgebiet Frankfurt liegen auch im Jahr 2010 wieder im oberen Drittel.
So zahlt man nur in Hamburg und Stuttgart mehr für einen Einzelfahrschein für das gesamte Stadtgebiet als in Frankfurt. Wie in den Vorjahren habe Frankfurt auch die teuerste 9-Uhr-Monatskarte vorzuweisen. Innerhalb von 5 Jahren sei der Preis hier um rund 20% gestiegen. Weiterhin halte die Rhein-Main-Metropole, wie vom VCD schon im letzten Jahr heftig kritisiert wurde, bundesweit mit 1,40 Euro den “traurigen Rekord” bei Kinder-Einzelfahrscheinen, obwohl es hier zuletzt ausnahmsweise einmal keine weitere Anhebung gegeben habe. In Hannover und Stuttgart bezahlten Kinder dagegen 1,20 Euro in Hamburg, Leipzig und Nürnberg sogar nur 1 Euro. “Wenn man aber die Stadtgröße und die Nähe Frankfurts zu den Nachbarstädten -und gemeinden der Rhein-Main-Region, in die Betrachtung einbezieht, fällt der Tarif-Vergleich noch wesentlich ungünstiger aus“, stellt Greiner fest. Eine Monatskarte von Frankfurt nach Offenbach koste mit 112,80 Euro nämlich erheblich mehr als das entsprechende Ticket für den Großbereich Hamburg oder das gesamte Berliner Stadtgebiet.
“Der Verkehrsclub Deutschland hält daher das hohe Preisniveau in der Stadt Frankfurt und ihrem Umland im Vergleich zu anderen Städten und Regionen in Bezug auf die gebotenen Leistungen für unangemessen. Gerade die häufig genutzten S-Bahnen erwiesen sich immer wieder als besonders stör- und verspätungsanfällig. Im derzeit gültigen Tarifsystem gebe es zudem zahlreiche Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten: Für die gleiche Anzahl an zurückgelegten Streckenkilometern gebe es teilweise drastische Preisunterschiede. Gerade auf den vergleichsweise kurzen Entfernungen der Hauptverkehrswege würden die Pendler unverhältnismäßig hoch belastet.
Aus seinen Untersuchungsergebnissen leitet der ökologisch orientierte Verkehrsclub verschiedene Forderungen ab. “Eine ‘große Tarifreform’ erscheint unvermeidlich“. Erste positive Tendenzen hierzu bei den RMV-Verantwortlichen würden vom VCD ausdrücklich begrüßt. In Frankfurt müsse eine deutliche Absenkung der Kinderfahrpreise vorgenommen werden. Bei den Monats- und Jahreskarten könnten die gebotenen Leistungen problemlos ausgedehnt werden, ohne dass es zu besonderen Einnahmeverlusten für die Unternehmen käme. So biete der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr mit seinem Ticket 2000, abends und am Wochenende eine Gültigkeit im gesamten Verbundnetz an. Für den Fahrgast würden so die Nutzungsmöglichkeiten der Zeitkarten im Freizeitverkehr stark verbessert. Neue Angebote, wie ein “Wochenend-Ticket”, sollten angedacht werden.
Die im vergangenen Jahr — auch im Zuge von VCD-Stellungnahmen — aufgetretenen öffentlichen Proteste sollten ein deutliches Signal für die Verantwortlichen in Politik und Verkehrsunternehmen sein. Der VCD begrüßt daher ausdrücklich, dass sich der Verkehrsausschuss im Frankfurter Stadtparlament fraktionsübergreifend dafür ausgesprochen habe, die jährlichen Tarifsteigerungen zu bremsen. Auch die Landespolitik müsse ihr Engagement für den öffentlichen Nahverkehr verstärken und ihren Teil zur Finanzierung der umweltverträglichen Verkehrsträger beisteuern. Es sei nicht einzusehen, dass hessische Fahrgäste einen höheren Kostendeckungsgrad als in anderen Bundesländern finanzieren müssten, während im Gegenzug eine weitere Zunahme des Autoverkehrs durch überflüssige und millionenschwere Straßen-Ausbauprojekte vorangetrieben werde.
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Autor: VCD Hessen.
Tags: ÖPNV, Fahrpreise, Tarif