Weltklimagipfel in Kopenhagen

VCD-Pressemitteilung 98/09 – Berlin, 19.12.09
VCD: Trotz gescheiterter Verhandlungen ist Klimaschutz im Verkehr dringender denn je

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) fordert die schwarz-gelbe Koalition vor dem Hintergrund der gescheiterten Verhandlungen beim Weltklimagipfel in Kopenhagen auf, den Klimaschutz nun nicht auf die lange Bank zu schieben. Die Bundesregierung müsse mit gutem Beispiel vorangehen und verbindliche Maßnahmen für effektiven Klimaschutz vor allem im Verkehrsbereich verabschieden. Um die notwendige nationale Verringerung der Treibhausgase zu erreichen, führe kein Weg an mehr Kostengerechtigkeit und Verlagerung von Verkehr auf umweltschonende Verkehrsmittel vorbei.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Dass in Kopenhagen kein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll verabschiedet wurde, bedeutet nicht, dass sich die Bundesregierung nun zurücklehnen kann. Ganz im Gegenteil: Welches Abkommen auch immer den internationalen Rahmen setzt – es ist zwingend erforderlich, dass Klimapolitik auf staatlicher Ebene umgesetzt wird. Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, nicht nur die Verpflichtungen aus dem noch immer gültigen Kyoto-Protokoll zu erfüllen, sondern Maßnahmen für mehr Klimaschutz zu ergreifen, die über diese Anforderungen hinausgeht. Im Koalitionsvertrag ist festgelegt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken. Das ist und bleibt ein realistisches Ziel. Die dafür notwendige Grundlage ist zuallererst eine nachhaltige und klimaorientierte Verkehrspolitik. Hier ist Deutschland aber bisher alles andere als ein Vorreiter. So frisst der stetig ansteigende Treibhausgasausstoß im Verkehr die erfolgreichen Klima­schutz­bemühungen in anderen Bereichen schnell auf.

Der VCD fordert von der Bundesregierung, mehr Geld in Bus und Bahn sowie den klimafreundlichen Rad- und Fußverkehr zu in­vestieren und so Verkehrsvermeidung und -verlagerung auf diese um­welt­schonenderen Verkehrsmittel zu forcieren.

In Kopenhagen sei es nicht gelungen, den besonders klima­schädlichen Flugverkehr in die Klimaverantwortung zu nehmen. Statt­dessen werde er immer noch durch Steuerbefreiungen und direkte Beihilfen subventioniert. Auch dem Schiffsverkehr, der durch den Ausstoß von CO2 und Rußpartikeln zur Erderwärmung beiträgt, seien keine Minderungsziele auferlegt worden.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Die Be­freiung des Flugverkehrs von Mineralöl-, Öko- sowie der Mehr­wertsteuer auf internationalen Flügen muss aufgehoben und damit die milliardenschwere Subvention des klimaschädlichen Fliegens beendet werden. Eine steuerliche Gleichbehandlung aller motorisierten Verkehrsträger unter Berücksichtigung externer Kosten ist schon heute möglich. Bei den Verhandlungen zu den EU-weiten CO2-Grenzwerten für leichte Nutzfahrzeug und Lkw muss die Bundesregierung die Verhandlungen im Sinne des Klimaschutzes voran­treiben und darf nicht wie 2008 bei den Pkw-Grenzwerten als schlimmer Bremser auftreten. Mehr als die Hälfte des jährlichen CO2-Ausstoßes im Verkehr geht hierzulande auf das Konto der mehr als 40 Millionen zugelassenen Autos. Die Bundesregierung muss die Autobauer in die Pflicht nehmen, endlich umwelt­schonende und zukunftsfähige Autos zu produzieren. CO2-Einsparungen sind in allen Bereichen möglich und nötig. Mit staatlichen Förderprogrammen können zudem Anreize geschaffen werden, in alle Verkehrsträger, die mit Diesel betrieben werden – Pkw, Lkw, Schiffe und Dieselloks – Partikelfilter einzubauen, die den gesundheits- und klimaschädlichen Rußausstoß minimieren. Wenn die Bundesregierung es schafft, ihre Minderungsziele auch auf den Verkehr anzuwenden, dann kann sie mit einer echten Vorbildrolle in künftige Verhandlungen starten.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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Eine Antwort zu “Weltklimagipfel in Kopenhagen”

  1. Bernd sagt:

    Das der VCD hier Forderungen stellt die öffentlichen Verkehrsmittel auszubauen ist ja schön und gut – was mir fehlt ist aber die Bereitschaft der Autofahrer auch etwas zu tun.
    Ich bin absolut davon überzeugt, dass man mit Autos die maximal 50 kW Leistung haben eine vollkommen gleichwertige komfortable Mobilität haben könnte wie bisher – und dabei den Kraftstoffverbrauche sicher unter ein Minimalziel von 5l/100 km drücken könnte.
    Ist man halt nicht mehr in 8 sec von 0 auf 100 und mit 180 auf der Autobahn geht halt auch nicht mehr.
    Aber die Alternative ist es so weiter zu machen wie bisher und Klimaänderungen – sowie steigende Benzinpreise bei immer knapper werdendem Öl hinnehmen zu müssen bis gar nix mehr geht (vor kurzen hab ich in einem Automagazin die Beschwerde gehört dass ein Auto mit 136 kW halt “etwas untermotorisiert und nicht mehr so spritzig” ist).
    Ich finds schlimm, dass eben nicht versucht wird darüber nachzudenken wie wir unseren Komfort und unsere Bequemlichkeit auch mit energiesparenden Möglichkeiten halbwegs zu erhalten.
    Bee den Energiesparlampen hats ja auch geklappt, dass etwas “ungeliebtes” verordnet werden konnte – und außer etwas Murren über das “kalte” Licht ist nicht viel passiert.
    Ich find – besser etwas kaltes Licht als irgendwann mal wieder gar kein Licht.

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