VCD-Landesverband Niedersachsen, Pressemitteilung 29/2009, 23.10.09, Hannover/Lüneburg
20 Jahre Deutsche Einheit/„Verkehrsprojekte noch lange nicht vollendet!“/Viele Bahnstrecken enden weiter an ehemaliger DDR-Grenze
„20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Einheit im Schienennetz noch lange nicht vollendet. Während das Straßennetz entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze vollständig wiederhergestellt und teilweise auch ausgebaut wurde, liegt die umweltfreundlichere Bahn-Infrastruktur zwischen Ost und West vielerorts brach“, beklagt Hans-Christian Friedrichs, stellvertretender Landesvorsitzende des Verkehrsclub Deutschland (VCD) aus Lüneburg, die Situation.
Nach der Wende wurde in Niedersachsen nur auf den drei Verbindungen Uelzen – Stendal, Vienenburg – Stapelburg und Walkenried – Ellrich der Personen- und Güterverkehr in Betrieb genommen. Von ehemals 70 bundesweiten Schienenverbindungen zwischen Ost und West sind bis heute nur sechs wieder hergestellt worden. Vor 20 Jahren in Niedersachsen diskutierte Lückenschlüsse, zum Beispiel Jerxheim – Dedeleben oder Duderstadt – Teistungen, spielen in den Planungen der Landesregierung heute keine Rolle mehr. Schlimmer noch: Die Anschluss-Bahnstrecken wurden teilweise für den Neubau von Fernstraßen demontiert, so zum Beispiel im Verlauf der umstrittenen und kaum frequentierten A 38 Göttingen – Halle.
Als markantes Beispiel für die nicht erfolgte Wiedervereinigung im Schienenverkehr nennt Friedrichs die Region im Nord-Osten Niedersachsens mit dem angrenzenden Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Zwischen Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern und Dannenberg in Niedersachsen existierten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges sowohl eine Straßen- als auch eine Schienenverbindung über die Elbe. Seit 1992 ist die Straßenbrücke der B 191 über die Elbe wieder hergestellt, die Bahnbrücke dient lediglich als Mahnmal für die deutsche Teilung. „Für uns ist die Bahnbrücke über die Elbe aber auch ein Mahnmal für eine seit der Wende völlig aus dem Ruder gelaufene Verkehrspolitik“, so Friedrichs. „Ähnlich sieht es beim Lückenschluss zwischen Lüchow und Salzwedel aus. Während die Strecke noch im letzten Landesraumordnungsprogramm stand, verabschiedet man sich nun schleichend von vielen verbindenden Bahnprojekten. Die Straßenverbindung wurde hingegen aufwändig ausgebaut. Investitionen gingen seit 1989 zu einseitig in neue Straßenprojekte, die Bahn spielt eine völlig untergeordnete Rolle.“
Die sogenannte „Dömitzer Bahnbrücke“ sollte nach Auffassung des VCD im Zuge überregionaler Entlastungskorridore wieder eine Bedeutung erhalten, genauso die Verbindung von Lüchow nach Salzwedel und die Ostheide-Elbe-Bahn von Dannenberg nach Uelzen. „In den jüngst verfassten «Forderungen der norddeutschen Länder an eine neue Bundesregierung» wird der genannte Raum nicht einmal erwähnt, geschweige denn von Reaktivierungen gesprochen. Gleichzeitig werden aber gut 300 km neue Autobahnen gefordert. Eine unglaublich kurzsichtige Denkweise!“, kritisiert Friedrichs.
Im Nordosten Niedersachsens kämpft Friedrichs als Vertreter des VCD zusammen mit dem Förderverein Ostheide-Elbe-Bahn heute um die schlichte Existenz der erhaltenen Bahntrassen. Noch bis vor wenigen Jahren hatte sogar die Landesregierung in Hannover die ehemalige Bahnstrecke Uelzen –Dannenberg – Ludwigslust als Teil der überregionalen Linie Hannover – Ostseehäfen im Landesraumordnungsprogramm als Option für zukünftige Verkehre vorgesehen. Inzwischen engagiert man sich in Hannover ausschließlich für neue Fernstraßen in der betroffenen Region, so etwa für die A 39 Lüneburg – Wolfsburg. „Ein höheres Umweltbewusstsein und absehbar steigende Kraftstoffpreise sind Anlass genug, das Verkehrsmittel Bahn bei Investitionen endlich stärker in den Fokus des Interesses zu rücken“, so Friedrichs.
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Autor: VCD Niedersachsen.
Tags: Bahn, Dannenberg, Dömitzer Bahnbrücke, Schienennetz, Uelzen