Bahnpreiserhöhungen, eine Milch­mädchen­rechnung

Pressemitteilung 30/2009, VCD Hessen, Frankfurt, 7. Oktober 2009
Weniger Züge – höhere Preise, eine Milchmädchenrechnung

Kurz nach der Wahl hat die noch immer bundeseigene Bahn AG aber­mals Preiserhöhungen angekündigt. Zugleich wird das Angebot auf vielen Relationen eingeschränkt, zumal durch Nordhessen dürften bald noch weniger Schnellzüge rollen.

Es sei schon ein Ritual der Bahn, alljährlich das Fern­ver­kehrs­angebot einzuschränken und trotzdem die Preise anzuheben, findet Wer­ner Geiß vom hessischen Landeverband des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Mit dem ehrgeizigen Ziel eines betriebs­wirt­schaft­lichen Profits des vermeintlichen Börsen­kandidaten würden der Volkwirtschaft immense Kosten aufgebürdet. „Eine Milch­mädchen­rechnung.“, findet Geiß, „denn der Schrumpfkurs sowie die Einsparungen bei Wartung und Service kosten den Steuer­zahler weit mehr als eine wachsende Bahn, die künftig die Hauptlast des Verkehrs tragen kann.

Einerseits sei es im Vergleich zu den gewaltigen Straßenbauetats billiger, die Schienenwege für die Grundlast des Verkehrs zu er­tüchtigen. Zudem würden die Investitionskosten durch steigende Fahr­karten­erlöse eingespielt. Geiß: „Wo Preise und Angebotsqualität attraktiver empfunden werden als das Auto, sind die Züge ausgelastet und der Fiskus entlastet, wie im benachbarten Europa, aber auch einigen deutschen Regionen bewiesen.
Darüber hinaus steigere eine Verkehrsverlagerung auf die Schiene Be­schäftigung und Wohlstand. Öffentliche Verkehrsmittel operieren weitaus beschäftigungsintensiver und zugleich weniger kapital­abhängig als die Autobranchen. „Es sollte auch eine Konsequenz aus der Wirtschaftskrise sein, nun mit günstigen Preisen und erweiterten Kapazitäten mehr Fahrgäste in die Züge zu locken.“, meint Geiß.

Schließlich seien die Klimaschutzziele der Bundesregierung – minus 40% CO2 bis 2020 – nur zu erreichen, wenn die Grundlast des Verkehrs zügig auf die Schiene verlagert wird. Geiß :“Gerade im Verkehr müssen die Preise den volks­wirt­schaftlichen Kosten entsprechen. Die Bahn muss also deutlich billiger sein als Auto fahren.

Solche Aspekte seien nicht länger abstrakte Größen jenseits der Wirtschaftsinteressen, sondern handfester Bestandteil volks­wirt­schaftlicher Gesamtrechnungen. Vom Nobelpreisträger Stiglitz entwickelt, hat Frankreichs Präsident Sarkozy solch einen Index präsentiert. Auch die EU-Kommission erarbeitet unter Feder­führung von Stavros Dimas ein neues Rechenwerk, das unter Berück­sichtigung bisher externer Kosten den Wohlstand der Nationen besser abbildet als das bisherige Bruttoinlandsprodukt (BIP). „Da schneidet die Autonation Deutschland schlecht ab.“, kommentiert Geiß die Zahlen aus Frankreich. Sein Fazit: Mehr Staat bei der Gestaltung des Verkehrs führt zu weniger Staat bei der Übernahme von Defiziten einer ineffizienten Verkehrsstruktur.

Schon seit längerem ist bekannt, dass gleichzeitig zur Preis­erhöhung auf den Strecken Erfurt–Kassel–Ruhrgebiet und Kassel–Marburg–Frankfurt je ein Intercityzug pro Tag und Richtung gestrichen wird.

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Autor: VCD Hessen.

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