Verbändekampagne fordert Stopp der Ruß­emissionen in Köln

Pressemitteilung der Kampagne “Russfrei fürs Klima” getragen von Verkehrsclub Deutschland (VCD), NABU, BUND und DUH, Köln, 17. Juli 2009

Verschärfung der Umweltzone schützt die Gesundheit der Bürger und das Klima

Feinster Dieselruß beschleunigt die Eisschmelze in der Arktis und damit die Erderwärmung – Grüne Plakette in Köln reduziert Diesel­emissionen – Kommunale Unternehmen müssen nachrüsten – Rheinschifffahrt muss sauberer werden.

Rußfrei fürs KlimaDie Verbändekampagne “Ruß­frei fürs Klima” hat von der Stadt Köln ge­fordert, die Zu­fahrt in die Umweltzone schnellst­möglich auf Autos mit grüner Plakette zu beschrän­ken, kommunale Fahr­zeuge mit Par­ti­kel­filtern auszustatten und den Aus­stoß von Dieselruß aus der Rhein­schiff­fahrt dras­tisch zu senken. Hintergrund sind neuere wissen­schaftliche Erkennt­nisse, nach denen Dieselruß nicht nur gesund­heits­schädlich sondern auch zu einem erheblichen Teil für die Erderwärmung mit­verantwort­lich ist.

Auf einer Pressekonferenz des Bündnisses in Köln verwies der internationale Verkehrsberater Dr. Axel Friedrich auf aktuelle Sa­tel­liten­aufnahmen der NASA. Danach konnte erstmals die Veränderung der Dicke der arktischen Eisschicht gemessen werden. In den letzten vier Jahren sei diese um 67 Zentimeter dünner geworden. Die Gesamtfläche habe um 42 Prozent abgenommen. Eine we­sent­liche Ursache dafür sei die Bedeckung der Eisflächen mit Ruß­partikeln aus Dieselmotoren, so Friedrich: “Rußpartikel aus Europa gelangen über die Atmosphäre bis in die Arktis und lagern sich dort auf dem Eis ab. Es entsteht eine Art Grauschleier und das Eis erwärmt sich bei Sonneneinstrahlung stärker. Im Ergebnis schmelzen die Eismassen schneller und die Temperatur in der Arktis steigt.” Daher sei es sowohl für die Gesundheit als auch für das Klima dringend notwendig, alle Dieselmotoren von Pkw und Lkw, von stationären Baumaschinen, Schienenfahrzeugen sowie von Schiffs­motoren mit geschlossenen Partikelfiltern auszustatten.

Als ein wirkungsvolles Instrument zur Verminderung von Dieselruß be­zeichnete der NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger die Um­welt­zone, wie sich am Berliner Beispiel gut zeigen lasse: “Bereits im ersten Jahr sanken in Berlin die Rußemissionen durch die Ein­führung der Umweltzone um fast ein Viertel. Die Stick­oxid­emissionen sanken um 14 Prozent. Die Umweltzone wirkt und führt dazu, dass viele Dreckschleudern von unseren Straßen ver­schwin­den“, so Oeliger. Umweltzonen müssten aber auch entsprechend ausgestaltet werden, wie beispielsweise in Berlin, wo ab 2010 nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette die Zufahrt zur Umweltzone erhalten. Die Kölner Umweltzone kränkelt bisher auch an ihrer Größe. “Die Umweltzone ist definitiv zu klein und sollte mindestens auf die Kölner Gürtel, besser noch auf die Militär­ring­straße im Westen bzw. Köln-Kalk und Poll im Osten ausgeweitet werden“, meinte Oeliger.

Darüber hinaus forderte Wolfram Sedlak vom VCD Köln: “Um die Wirk­samkeit der Umweltzone in Köln massiv zu steigern, sollte die Zufahrt auf Fahrzeuge mit grüner Plakette beschränkt werden.” So könne Köln rasch einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger sowie für das Klima leisten. Leider würden die kommunalen Unternehmen ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht. “KVB und AWG müssen die Schmutzfinken aus ihrer Flotte schnell entfernen oder nachrüsten“, forderte Sedlak. So seien bei der KVB 36 Busse nicht mit Partikelfiltern ausgestattet. Zur Ausstattung der fast 100 Mietbusse könne oder wolle die KVB keine Auskunft geben. Noch problematischer sei die Lage bei Straßenreinigung und Müllabfuhr der AWB Köln. Von 375 Fahrzeugen seien nur sechs mit Partikelfiltern ausgestattet, weil man sich bisher auf die Reduzierung von NOx konzentriert habe. “Die AWG muss ihre Beschaffungspolitik ändern und ihre Dieselstinker mit Par­ti­kel­filtern nachrüsten“, so Sedlak.

Bezogen auf die Rheinschifffahrt habe die Kommune ihre Ver­antwortung für mehr Umweltschutz bisher überhaupt noch nicht wahr­genommen, obwohl Sie über kommunale Hand­lungs­mög­lich­keiten verfüge. So müsse Landstromversorgung für im Hafen liegende Schiffe auch in Köln eine Selbst­verständ­lich­keit sein. Die Stadt müsse sich auch für die Ausstattung von ansässigen Pas­sa­gier­schiffen – insbesondere der Köln-Düsseldorfer – mit Partikel­filtern einsetzen. Die Vermeidung des Ausstoßes von Schadstoffen durch Binnenschiffe liege im originären Interesse der Stadt Köln. Die Schiff­fahrt hinterlasse bei der Durchfahrung der Domstadt pro Jahr 125 Tonnen Feinstaub und mehr als 2000 Tonnen Stickoxide.

Die Kampagne “Rußfrei fürs Klima” wird getragen von den deut­schen Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden Verkehrsclub Deutsch­land (VCD), Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Natur­schutz­bund (NABU), und Deutsche Umwelthilfe (DUH). Ziel der Kampagne ist es, die Klimawirkungen von Dieselrußemissionen ins Bewusstsein von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu bringen und Maßnahmen zur Rußminderung einzufordern.
Weitere Informationen: www.Russfrei-fuers-Klima.de

Verwandte Artikel

Autor: VCD-Bundesverband.

Tags: , , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort