Emissionshandel schadet Eisenbahnen

Gemeinsame Pressemitteilung, Berlin, 02.07.2009
Verbände schlagen Alarm: Emissionshandel schadet Eisenbahnen/Klimaschutzinstrument wird zum Klimakiller

Im Verkehrssektor könnte die EU-Neuregelung des Emissionshandels ab 2013 dramatische negative Konsequenzen für die europäischen CO2-Ziele haben. Nach Ansicht der Allianz pro Schiene und mehre­rer Umweltverbände droht ein widersinniges Szenario: Weil die neue EU-Richtlinie die herrschenden Abgaben-Nachteile des Schienen­verkehrs noch vergrößert, sind massive Ver­kehrs­verlagerungen von der umweltfreundlichen Schiene auf Straße und Flugzeug vor­programmiert. “Eigentlich ist der Emissions­handel ein sinnvolles Klima­schutz­instrument“, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. “Aber wenn man ihn so unausgegoren ansetzt, entwickelt er sich zum Klimakiller.

Der elektrische Schienenverkehr muss von 2013 an seine Emis­sions­rechte zu 100 Prozent ersteigern. Der Straßenverkehr, der in Deutschland 85 Prozent aller CO2-Emissionen des gesamten Ver­kehrs verursacht, bleibt weiterhin völlig vom Emissionshandel be­freit. Den Flugverkehr bindet die neue EU-Richtlinie zwar ab 2013 erstmals in den CO2-Emissionshandel ein, entlastet ihn aber zugleich wieder: Nur 15 Prozent der Emissionen müssen tatsächlich bezahlt werden, 85 Prozent der Verschmutzungs-Kosten werden erlassen. Das Flugzeug ist der Verkehrsträger mit den schlechtesten Pro-Kopf-Emissionen. Nach Ansicht von Hans-Gerd Marian, Bundesgeschäftsführer der NaturFreunde Deutschlands, ist das “eine absurde Vorstellung. Ausgerechnet mit Regelungen zum Klimaschutz wird der umweltfreundliche Verkehrsträger Eisenbahn gegenüber dem Flugverkehr weiter benachteiligt. Es wird endlich Zeit, umzusteuern und die Schiene steuerlich zu entlasten und den Flug­verkehr stärker zu belasten.” Richard Mergner, ver­kehrs­politischer Sprecher des BUND, wirft der EU Halbherzigkeit vor: “Trotz der alarmierenden Zahlen wird die Klimawirkung des Flugverkehrs bis heute unterschätzt. Nur zaghaft und halbherzig werden erste Schritte getan: Das EU-Parlament hat zwar beschlossen, den Luftverkehr in den EU-Emissionshandel einzubeziehen. Allerdings sind die Vorgaben viel zu lasch.

In einer neuen Studie, die das Zentrum für europäische Wirt­schafts­forschung (ZEW) erstellt hat, werden die voraus­seh­baren Wett­be­werbs­verzerrungen anhand verschiedener Szenarien erstmals konkret beziffert. Durch ungleichen Emissions­handel ausgelöste Verkehrsverlagerungen führen danach zu einem Anstieg des CO2-Ausstoßes um rund 800.000 Tonnen im Jahr. In Deutschland verlöre der Schienenpersonenverkehr rund 2,5 Millionen Kunden jährlich. Bei Gleichbehandlung aller Verkehrsträger könnte er über 30 Millionen Kunden gewinnen. *Auf diese Weise wird die EU ihr Klima-Ziel nicht nur nicht erreichen“, sagt Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege. “Mit schlechtgemachten Regeln produziert sie sogar noch CO2-Zuwächse.

Für NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller ist die jahrelange Un­gleich­behandlung der Schiene zum Luftverkehr ein klima­politischer Skandal: “Das Wachstum am Himmel erfolgte auf den Schultern der Umwelt und aller Bürger, die Lärm- und Abgaskosten über den Steuerumweg doch noch bezahlen müssen.” Auf welch tönernen Füßen insbesondere die Billigflieger wirtschaften, werde sich zeigen, wenn mit dem Emissionshandel ein erster, notwendiger Schritt zur Beendigung der Subventionierung getan wird. Auch für Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelt Hilfe (DUH) kann die Einbindung des Flugverkehrs in den Emissionshandel “nur ein erster Schritt sein. Um den Anforderungen des Klimaschutzes auch im Verkehrssektor endlich nachzukommen, ist die Offen­legung der externen Kosten aller Verkehrsträger überfällig.

Laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist der Flugverkehr besonders klimaschädlich, da in großer Höhe ausgestoßene Gase eine stärker erwärmende Wirkung haben, als am Boden. Das International Panel on Climate Change (IPCC) schätze die Wirkung auf das Zwei- bis Vier­fache. Weltweit habe der Flugverkehr bereits jetzt einen Anteil von acht Prozent am Ausstoß von Klimagasen. Nach Berechnungen des Wuppertal- Instituts für Klima, Umwelt und Energie wird in Deutsch­land der Flugverkehr die Klimawirkung des Straßenverkehrs bereits 2013 übertreffen. Michael Gehrmann, VCD-Bundes­vor­sitzender: “Es ist inakzeptabel, dass ausgerechnet das klima­schädlichste Verkehrsmittel die größten steuerlichen Ver­gün­sti­gun­gen erhält. Die klimaschädlichen Wett­bewerbs­ver­zer­rungen zwischen den Verkehrsträgern müssen endlich beendet werden. Dazu gehört, dass die Zertifikate für den Flug­ver­kehr vollständig versteigert werden müssen.

Weitere Informationen: ZEW-Studie zur unterschiedlichen Ein­bin­dung der Verkehrsarten in den Emissionshandel auf den In­ter­net­seiten der Alianz pro Schiene unter http://www.allianz-pro-schiene.de/deutsch/Umweltverbaende-Emissionshandel-schadet-Eisenbahn.html

Die Allianz pro Schiene ist das Bündnis in Deutschland zur För­derung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs. In dem Bündnis haben sich 16 Non-Profit- Verbände zu­sam­men­ge­schlos­sen: die Umweltverbände BUND, NABU, Deutsche Umwelt­hilfe und NaturFreunde Deutschlands, die Ver­braucher­verbände Pro Bahn, DBV und VCD, die Automobilclubs ACE und ACV, die drei Bahngewerkschaften TRANSNET, GDBA und GDL sowie die Eisen­bahn­verbände BDEF, BF Bahnen, VBB und VDEI. Die Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2 Millionen Einzel­mitglieder. Unterstützt wird das Schienenbündnis von 91 Unternehmen der Bahnbranche.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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