VCD-Hessen, Pressemitteilung 18/2009, Kassel 10. Juni 2009
Angesichts entsprechender Ankündigungen, äußerte der Landesverband Hessen des Verkehrsclub Deutschland (VCD) heftige Kritik an den von den Hessischen Verkehrsverbünden für den Winter geplanten erneuten Fahrpreiserhöhungen. Geplant seien, beispielsweise beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) – Anhebungen bei den Ticketpreisen in Höhe von bis zu 2,7%. Auch der Nordhessische VerkehrsVerbund (NVV) stehe hier leider kaum zurück. VCD-Sprecher Holger Greiner hob hierzu hervor, „dass die vorgebrachten Argumente für das weitere Anziehen der Tarifschraube willkürlich sind“. Im letzten Jahr wären hierfür vor allem die explodierenden Energiekosten verantwortlich gemacht worden, in diesem Jahr seien nun angeblich Steigerungen bei den Personalausgaben der Grund. Für die zwischenzeitlich wieder etwas gesunkenen Energiepreise gebe hingegen keinen Ausgleich für die Fahrgäste.
Es sei, so der ökologisch orientierte Verkehrsclub, unverantwortlich, dass die nachhaltigen Ver-kehrsträger wie Bus und Bahn alljährlich verstärkt belastet würden. Das Umsteigen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr werde dadurch immer unattraktiver. Die Fahrpreiserhöhungen seien zudem höchst unsozial, da die Nutzung von Bussen und Bahnen für Einkommensschwache immer mehr zum “teuren Vergnügen” werde. Bezeichnend sei in diesem Zusammenhang auch, dass der RMV in Frankfurt deutschlandweit die teuersten Kinderfahrscheine anbiete. Auch ansonsten bewege sich dieser Verbund im „Hochpreissegment“.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei, wie die VCD-Fahrpreisvergleiche immer wieder belegten, gerade beim RMV, ungenügend. Es bestünden nach wie vor erhebliche Defizite bei Pünktlichkeit, Verbindungssicherheit oder auch beim Nachtverkehr. Änderungen beim zu komplizierten RMV-Tarifsystem und Rabbattierungen bei bestimmten Angeboten seien dringend erforderlich. Andere Verkehrsverbünde könnten dagegen – bei teilweise deutlich geringerem Preisniveau – bessere Leistungen erbringen. Ein attraktives Nahverkehrsangebot, mit günstigen Fahrpreisen könne aber, so der VCD, durch die Steigerung der Auslastung, zu einem höheren Kostendeckungsgrad beitragen. Unangemessen hohe Fahrpreise seien hierfür nicht erforderlich und in letzter Konsequenz sogar kontraproduktiv.
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Autor: VCD Hessen.
Tags: Energiepreis, Fahrpreiserhöhung, Nahverkehr, NVV, Preiserhöhung, Preisvergleich, RMV, Vergleich, Verkehrsverbund
Liebes FR-Online-Team,
Ihrem Artikel kann ich nur zustimmen!
Ich bin selbst seit nunmehr über 15 Jahren Berufspendler und ehrlich gesagt besorgt über die Preisentwicklung bei der Deutschen Bahn bzw. dem RMV.
Vor noch nicht einmal 12 Jahren war es z. B. noch möglich, dass man sich zusammen mit 4 weiteren Leuten in die Bahn setzt (exkl. IR, IC, ICE) und deutschlandweit mitfahren darf. Das alles kostete DM 35,00 (ca. EUR 17,90) -> für Samstag UND Sonntag! Durch solche Preise war auch spontanes Reisen sehr interessant, auch wenn der Komfort nicht der beste war und die Fahrt gegenüber IC- und ICE-Verbindungen fast das Doppelte betrug. Da das Wochenendticket nun ab EUR 37,00 erhältlich ist und nur für jeweils einen Tag Gültigkeit besitzt, ist es absehbar, dass das Reisen in Gruppen von 5 Personen per PKW nicht nur flexibler, sondern in den meisten Fällen auch preiswerter ist (wenn man nur Kosten für Treibstoff in Betracht zieht).
Preiserhöhungen werden immer wieder mit “scheinheiligen” Argumenten belegt wie z. B. Kosten für Modernisierung, Defizite auf Grund von Vandalismus, Gestiegene Energiepreise, gestiegene Personalkosten, etc.
Auch wenn es keinen Vandalismus mehr geben sollte und etwaige Energiekosten – sei es jetzt Strom oder Diesel – durch den Vertreiber gesenkt werden, so wird wohl NIE mit auch nur einer Preisminderung für den Endverbraucher zu rechnen sein (mit Ausnahme von bestimmten Sonderaktionen).
Wenn man dann auch noch in der Situation ist, dass man sich auf Grund von defekten Automaten keine Fahrkarte lösen kann und man daraufhin – wie sollte es auch anders sein – von zivilen Kontrolleuren nach dem nicht vorhandenen Fahrschein gefragt wird, hört der Spaß endgültig auf. Dann darf man sich nämlich auf beschwerliche Wege einlassen, die mit vergleichsweise hohem Kosten- und Zeitaufwand verbunden sind. Es entzieht sich jetzt jedoch meiner Kenntnis, ob sich die zu 90 % gewährleistete UNGENÜGENDE BERATUNG* auf Provisionszahlungen je “potentiellem Schwarzfahrer” ohne gültigem Fahrausweis, mangelhafte Einarbeitung durch Vorgesetzte oder andere Faktoren zurückführen lässt. Entsprechende Beschwerdebriefe mit der Bitte um Stellungnahme blieben leider immer unbeantwortet!
DES WEITEREN SOLLTEN SICH BUND, LÄNDER, RMV UND DIE BAHN VERMEHRT FÜR UNSERE SCHÜLER EINSETZEN!!! Ein Schülerticket z. B. wäre ja schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Unser Finanzminister, Herr Schäuble, sitzt ja direkt an der Quelle und hat bestimmt noch irgendwo einen Koffer von damals mit ca. DM 100.000,00. Das könnte man doch investieren. Vorausgesetzt, Herr Schäuble erinnert sich irgendwann wieder über den Verbleib des Geldes!
Wäre ich nun ein Pädagoge und die Bahn als auch der RMV meine Schüler, so würde ich beide derzeit mit MANGELHAFT benoten (Kombinationswert aus Preisgestaltung, Service, (Zivil-) Kontrolleure, Zuverlässigkeit, Modernisierung).
Im Endeffekt glaube ich jedoch, dass die Bahn / der RMV durch Preisminderungen im Allgemeinen eine höhere Auslastung erzielen könnte, die sich unter Umständen auch positiver in der Jahresbilanz widerspiegeln.
* persönliche Erfahrung bei nicht vorhandener Fahrkarte auf Grund defekter Automaten oder solcher, die noch nicht einmal einen Geldschein über EUR 5,00 wechseln können beim Fahrpreis von EUR 3,70
19.12.2009, JJO
Edit: Es ist natürlich das VCD-Team angesprochen! *peinlich, peinlich*