VCD zur Flughafenverhandlung am VGH: Wirtschaftliche Folgen neu bewerten

Pressemitteilung VCD-Hessen 16/2009, Frankfurt/Kassel 3. Juni 2009

In der laufenden Verhandlung am Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kas­sel zum Ausbau des Frankfurter Flughafens müssen nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) die geänderten Rahmen­bedingungen berücksichtigt werden. „Aufgrund der ak­tuellen Marktentwicklung und der Erkenntnisse über den Klimawandel ist der Planfeststellungsbeschluss nur noch Ma­ku­la­tur“, sagte Werner Geiß, Vorsitzender des VCD-Landes­ver­bandes Hessen. „Die wirtschaftlichen Folgen des Flughafen­ausbaus müssen völlig neu bewertet werden.

Wesentliche Bedenken der Einwender und Kläger gegen die Gut­achten des Flughafenbetreibers Fraport seien inzwischen von der Realität bestätigt worden, so der Umwelt- und Ver­brau­cher­verband. Gerade in der Wirtschaftkrise werde der Beweis erbracht, dass der Luftverkehr nicht ständig weiter wachse. „Pauschal­flug­reisen und eingeflogene Konsumgüter dürfen keinen Vorrang haben vor anderen öffentlichen Interessen wie Lärmschutz und Lebens­qualität“, sagte Geiß. „Außerdem reift angesichts der Krise bei einigen Politikern doch die Einsicht, dass man die Umsätze des Flug­tourismus, der Kaufkraft aus unserem Land abzieht, nicht un­be­dingt fördern muss.

Die Drehkreuzfunktion des Flughafens, die stets als erstrangiges Argument für den Ausbau genannt wird, entspreche längst nicht mehr der Marktentwicklung. Auch die Frankfurt anfliegenden Airlines bestellten überwiegend kleinere Langstreckenjets, die für Di­rekt­flüge konzipiert seien und den Passagieren das Umsteigen an Groß­flug­häfen ersparen sollen. Dagegen erwiesen sich die großen Maschinen wie der Airbus 380 als Ladenhüter. Inzwischen wachse auch auf anderen deutschen Flughäfen das Angebot an direkten Fern­flügen – zu Lasten von Frankfurt. Kurz- und Mittelstreckenflüge würden zunehmend auf die Schiene verlagert. Mit dem Neubau der Schnell­bahn Frankfurt-Mannheim werde eine entscheidende Lücke im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz geschlossen.

Bei der Planung des Flughafenausbaus sei darüber hinaus die künftige Flugzeugtechnologie nicht berücksichtigt worden, kritisiert der VCD. Ab 2020 gelten die Standards von Ökoflugzeugen, wie sie derzeit im EU-Projekt „Clean Sky“ und von der NASA für die amerikanischen Hersteller entwickelt werden. Ziel sei eine um 50 bis 75 % geringere Erderwärmungswirkung. Dieses Ziel kann nur mit lauteren Triebwerken erreicht werden, die für einen Flughafen inmitten dichter Bebauung völlig ungeeignet seien.

Auch das Arbeitsplatz-Argument muss nach Einschätzung des VCD neu bewertet werden. Die Luftfahrtbranchen hätten sich seit Be­ginn der Ausbauplanung mitnichten als die gepriesene „Job­maschine“ erwiesen. Ganz im Gegenteil hätten bei insgesamt sinkender Nachfrage die mit minimalem Personaleinsatz operierenden Billigflieger ihren Marktanteil steigern können.

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Autor: VCD Hessen.

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