Gemeinsame Pressemitteilung des Verkehrsclub Deutschland (VCD) Landesverband Elbe-Saale und des Fahrgastverbandes Pro Bahn Landesverband Mitteldeutschland, Dresden, 29.04.2009
VCD und Pro Bahn: Zukunftsfähige Mobilität ist sehr viel mehr
Am Dienstag stellte der sächsische Innovationsbeirat gemeinsam mit Wirtschaftsminister Jurk und Wissenschaftsministerin Dr. Eva Maria Stange sein Positionspapier zu „Nachhaltiger Mobilität“ vor. Nach Ansicht der Fahrgastverbände bietet diese Papier einige gute Ansätze für eine zukunftsfähige und nachhaltige Mobilität: Erfreut zeigte sich Lutz Dressler vom Landesverband Elbe-Saale des ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) so unter anderem darüber, dass die VCD-Forderung nach einem flächendeckendem Tempolimit auf den Autobahnen Beachtung findet. Der VCD forderte seit 2007 mehrfach die Einführung eines generellen Tempolimits von 120km/h.: „Das hilft dem Klima, es senkt den Spritverbrauch und es erhöht die Verkehrssicherheit.“, so Lutz Dressler.
Allerdings gibt es aus Sicht der Fahrgastverbände deutliche Kritikpunkte am vorgelegten Papier:
Der Innovationsbeirat verkennt die erhebliche Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Gesamtverkehrssystem. Er möchte massiv am ÖPNV sparen und stattdessen verstärkt in Elektroautos investieren. Diese aber sind noch weit von einer Massenmarkttauglichkeit entfernt. Wer das dann noch unter „Nachhaltiger Mobilität“ verkaufen will, der macht sich hochgradig dem Greenwashing (zu deutsch: der Schönfärberei) verdächtig.
Selbst optimistische Schätzungen gehen für 2020 von gerade einmal zwei Millionen Elektrofahrzeugen in Deutschland aus − bei einem Bestand von 50 Millionen Pkw. Das entspräche einem Anteil von weniger als fünf Prozent. In dem Papier des Innovationsbeirates fehlt laut Dressler auch ein entscheidender Satz: „Elektroautos sind nur dann wirklich umweltfreundlicher, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien kommt. Rechnet man hingegen mit dem durchschnittlichen europäischen Strom-Mix, erreichen E-Mobile keine wesentlich besseren CO2-Werte als Autos mit modernen Verbrennungsmotoren.“
Der Sprecher vom Fahrgastverband Pro Bahn Stefan Jugelt beklagt, dass der Innovationsbeirat empfiehlt an stark frequentierten Verkehrsknoten die ÖPNV-Bevorrechtigung zurückzunehmen: „Wenn ein Bus an der Kreuzung länger warten muss, geht damit zum einen der Anreiz für die Kunden verloren. Oftmals muss aufgrund von langen Ampelwartezeiten gar ein Bus mehr eingesetzt werden, um den Taktfahrplan zu gewährleisten. Das lässt dann die Kosten bei den Verkehrsunternehmen ansteigen und hat eine schlechtere CO2-Bilanz zur Folge, als wenn die Autos an einer Ampel mit ÖPNV-Bevorzugung warten müssen.“
Stefan Jugelt findet noch weitere Passagen in dem elf Seiten starken Positionspapier, wo sich die Frage nach einem zukunftsfähigem Verkehrskonzept stellt: So empfiehlt das Papier den Entscheidungsträgern in der Politik und in den Verkehrsunternehmen den „Komfortanspruch im ÖPNV zugunsten preiswerter ÖPNV Angebote zu beschränken“. Dazu sagte Jugelt am Mittwoch in Dresden: „Es wäre doch fatal, wenn wir jetzt anfangen die Attraktivität des Öffentlichen Verkehrs aufs Spiel zu setzen und die Verkehrsunternehmen zwingen sich gegenseitig mit Dumpingpreisen zu unterbieten.“.
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Autor: VCD Elbe-Saale.
Tags: CO2, Elektrofahrzeug, Greenwashing, Mobilität, Zukunft