Mehdorn dankt ab

VCD-Pressemitteilung 25/09 – Berlin, 30.03.09
VCD fordert neue Weichenstellung in Bahnpolitik

Der Verkehrsclub Deutschland e. V. (VCD) sieht im Rücktritt von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn die Chance für einen Neuanfang in der Bahn­politik. Mehdorn und die Bundesregierung hätten in den ver­gan­genen Jahren mit dem geplanten Börsengang, der weltweiten Ex­pansion des Konzerns in bahnfremde Sparten, mit regelmäßigen Fahr­preis­erhöhungen und gleichzeitigen Angebotskürzungen dem Ver­kehrs­träger Schiene in Deutschland geschadet. Der Personal­wechsel an der Spitze müsse nun dazu genutzt werden, das Augen­merk der Deutsche Bahn AG wieder auf ihr Kerngeschäft zu lenken. Es müsse alles daran gesetzt werden, in Deutschland ein attraktives Bahnangebot für den Personen- und den Güterverkehr zu schaffen und die Infrastruktur dementsprechend auszubauen.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Hartmut Mehdorns Bahn­politik war seit 1999 davon geprägt, aus der DB AG einen international ausgerichteten Konzern zu entwickeln, die Deutsche Bahn ohne Rücksicht auf Verluste zu privatisieren und das Un­ter­nehmen auf Kosten der Fahrgäste in die Gewinnzone zu bringen. Bezahlen durften das die Verbraucher mit gravierenden An­gebots­einschnitten – darunter mit der Einstellung des Interregio. Insgesamt ist das Verkehrsaufkommen im Fernverkehr seit Meh­dorns Amtsantritt um 13 Prozent gesunken.” Im Jahr 2002 sei Mehdorn mit der Einführung des neuen Preissystems »PEP« gescheitert. Gehrmann: “Die Fahrgäste liefen der DB AG in Scharen davon. Vor allem Mehdorns Versuch, im Rahmen von “PEP” die Bahn­card50 abzuschaffen, erwies sich für ihn als Bumerang. Nach massiven Protesten von Umwelt- und Verbraucherverbänden musste er nachgeben und die Bahncard ein halbes Jahr nach ihrer Ab­schaffung wieder einführen.” Zuletzt habe der Bahnchef im vergangenen Jahr mit der versuchten Einführung des sogenannten Bedien­zuschlages Schiffbruch erlitten.

Vom Nachfolger Mehdorns erwartet der VCD ein eindeutiges Be­kennt­nis zum System Schiene. Oberstes Ziel müsse sein, eine qualitativ hochwertige und vernetzte Schieneninfrastruktur zu schaffen und damit die Bahn im Wettbewerb der Verkehrsträger attrak­ti­ver zu machen. Der Tarifdschungel müsse gelichtet und die Preise der DB AG nicht wie bisher regelmäßig angehoben werden. Nur so seien mehr Menschen und Güter auf die umweltfreundliche Schiene zu bekommen.

Mehdorn konnte in den vergangenen zehn Jahren die Bahnpolitik nahezu uneingeschränkt bestimmen, weil sich die Bundesregierung als Eigentümerin der DB AG außer bei einzelnen Prestigeobjekten nicht um ihr Eigentum gekümmert hat“, kritisiert Gehrmann. “Von den politisch Verantwortlichen erwarte ich nun ein klares Be­kennt­nis zur Weiterentwicklung des umweltfreundlichen Schienen­verkehrs im Sinne der Gemeinwohlverantwortung des Staates. Voraussetzung dafür ist die Herauslösung von Schienen­netz, Bahnhöfen, Fahrplänen und Vertrieb aus dem Konzern und die Garantie eines flächendeckenden Fern­verkehrs­angebots. Mehdorns Rücktritt ermöglicht es, jetzt die Weichen in der Bahnpolitik neu zu stellen.” Diese Chance müsse die Bundes­regierung mit der sorg­samen Auswahl eines Nachfolgers nutzen.

Heidi Tischmann, VCD-Bahnexpertin: “Höchste Priorität des neuen Vor­stands­vorsitzenden sollte nicht die weltweite Expansion des Konzern sein, sondern die Konzentration auf das, was die Bahn attraktiv macht – ihre Fahrgäste flächendeckend bequem, kosten­günstig, sicher und umweltfreundlich zu befördern. Das bedeutet auch, künftig auf teure Hochgeschwindigkeitsstrecken zu ver­zichten. Für eine zukunftsfähige Bahn ist es stattdessen dringend notwendig, in die bestehende Infrastruktur, also Schienen­netz und Bahnhöfe, zu investieren. Die Einrichtung eines Deutsch­land-Takts, der die Angebote aller öffentlichen Ver­kehrs­mittel vernetzt, macht das Bahnfahren attraktiv und bringt mehr Fahr­gäste in Busse und Bahnen. Aber auch die Bundes­regierung ist in der Pflicht. Sie hat die Bahnpolitik in der Ver­gangenheit sträflichst vernachlässigt. Wir erwarten, dass sie nun einen Masterplan für die Schiene entwickelt, der den Weg hin zu einer nachhaltigen Mobilität aufzeigt.

Mehr zu einer zukunftsfähigen Schienenverkehrspolitik finden Sie in der VCD-Position zur Bundestagswahl 2009 unter www.vcd.org/parteien.html.

Verwandte Artikel

Autor: VCD-Bundesverband.

Tags: , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort