Pressemitteilung VCD Landesverband Hessen 9/2009, Kassel, 8. März 2009
Am 7. März 2009 hat in Friedberg die diesjährige Mitgliederversammlung des Hessischen Landesverbandes des Verkehrsclub Deutschland (VCD) stattgefunden. Zahlreiche Mitglieder waren erschienen, um aktuelle Fragen zur Verkehrsentwicklung und die anstehenden Verbandsformalien zu diskutieren. Auch die verkehrspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen von SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen haben die Gelegenheit genutzt, um dem ökologisch orientierten Verband ihre Grußworte zu übermitteln und ihre unterschiedlichen landespolitischen Positionen im Verkehrsbereich darzulegen. Zudem wurde während der Sitzung das aktuelle VCD-Projekt „Natürlich unterwegs!“ für einen sanften Tourismus in Hessen mit dem öffentlichen Nahverkehr präsentiert.
Die Auswirkungen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise auf den verkehrspolitischen Sektor und die zukünftige Mobilitätsentwicklung bestimmten vorrangig die inhaltliche Arbeit der Versammlung. In einer Resolution mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums sind erreicht – auch im Verkehr“, die einstimmig beschlossen wurde, bezogen die VCD-Mitglieder klar Stellung für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung und kritisierten dabei auch einen Großteil der derzeit von der von der Hessischen Landesregierung vorgesehenen Maßnahmen. Die Erkenntnis, dass die Automobil- und die Luftfahrtbranche in der Krise steckten, „weil die Gesellschaft genug von dem hat, was diese Industrien ihr aufdrängen wollen, weswegen diese Märkte gesättigt sind, ist bei den Bürgern längst angekommen nicht aber bei der verantwortlichen Politik“, heißt es in der Resolution. Gerade in Hessen werde aber von der neuen schwarz-gelben Landesregierung „verzweifelt gegen die sich ausbreitende Vernunft weiterhin anasphaltiert“. Der hessische Steuerzahler solle nun zur Rettung der „Wirtschaft“, zur Korrektur der Fehler einer verantwortungslosen Managerkaste und zur Finanzierung der Fortsetzung des bisherigen falschen verkehrspolitischen Kurses herangezogen werden.“
Dabei biete die derzeitige ökonomische Krise eine einmalige Chance nachhaltig umzusteuern. Eine tiefgreifende Mobilitätswende sei erforderlich, so der VCD, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung – minus 40% CO2 bis 2020 – zu erreichen, denn unsere bisherigen Mobilitätsgewohnheiten – Autofahren und Fliegen – forcierten den Klimawandel. Erforderlich seien innovative Autoantriebe und neue Flugzeugkonzepte. „Wenn schon Industrieförderung, dann für moderne Züge, Elektroautos und Ökoflugzeuge, wie sie von ‚Clean Sky’ und NASA entwickelt werden“, fordert der VCD. Insgesamt müsse sehr schnell sehr viel mehr in umweltfreundliche Verkehrsträger investiert werden. Für das Schienensystem sollte beispielsweise „das Ziel eines Integralen Taktfahrplanes für Hessen“ (analog Bahn 2000 auf Bundesebene) umgesetzt werden. Der Ausbau der Kapazitäten, auch für den Güterverkehr, sollte Vorrang haben vor prestigeträchtigen Hochgeschwindigkeitsstrecken mit nur minimalen Vorteilen für das Gesamtnetz. Weitergehende Investitionen in den Klimaschutz seien auch ökonomisch geboten, da diese, wie es der „Stern-Report“ nachweise, die fünffache Rendite aufgrund vermiedener Folgekosten des Klimawandels einbringen würden.
Der VCD konstatiert in seiner Analyse, dass Verkehr und Logistik tief in der Krise steckten. In den weitgehend gesättigten Warenmärkten einer postindustriellen Volkswirtschaft könnten Wohlstand und Beschäftigung künftig vor allem durch geistige Leistungen gesichert und gesteigert werden. Dabei müsse sich die künftige Wirtschaftsentwicklung verstärkt auf „kreative Wertschöpfung“ und den Umweltbereich stützen. Bildung, Forschung, Kultur oder Medien seien die Bereiche, die es vorrangig zu fördern gelte. Deren physischer Transportbedarf werde viel geringer sein wird als in den Sektoren der überkommenen Ökonomie.
Gerade die hessische Landesregierung habe aber stets, zu Lasten dieser kreativen Sektoren, vorrangig in Beton sowie Auto- und Landebahnen investiert, weswegen auch die geistige Mobilität einer künftigen Wissensgesellschaft derzeit noch in der Krise stecke. Aber nicht Autoindustrie oder Betonpisten, sondern der Kreativ- und der Umweltbereich seien, so der ökologisch orientierte Verkehrsclub, die bedeutenden Faktoren für künftigen Wohlstand und Beschäftigung. „Wir müssen in unsere geistigen Fähigkeiten investieren, dann können wir die derzeitige und auch künftige Krisen meistern“.
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Autor: VCD Hessen.
Tags: Bahn 2000, Finanzierung, Güterverkehr, Hessen, Klimaschutz, Mitgliederversammlung, Mobilität, Taktfahrplan, Wirtschaft