fairkehr-Titelthema »ÖPNV-Image«

VCD-Pressemitteilung 19/09 – Berlin, 23.02.09
Bus und Bahn attraktiver vermarkten

Titelbild der Fairkehr 1/2009Die Tram kommt immer zu spät, die S-Bahn ist grundsätzlich über­füllt und riecht schlecht und Busfahrer haben ihren Spaß daran, einem die Tür jedes Mal genau vor der Nase zu schließen: Die gän­gi­gen Klischees rund um den Öffent­lichen Per­sonen­nahverkehr (ÖPNV) scheinen nie auszusterben. Ge­pflegt werden sie jedoch vor­wiegend von den­jenigen, die selbst nie oder nur sehr selten ihren Fuß in Bus oder Bahn setzen. Aber auch die Ver­kehrs­unter­nehmen selbst unter­lassen es zu oft, ihrem in der Regel guten Angebot ein positives Image zu verpassen. Dass der ÖPNV auch sexy sein kann und welche guten Beispiele es gibt, um das zu kommunizieren, zeigt der Ver­kehrsclub Deutschland e.V. (VCD) in der aktuellen Ausgabe seiner Mitgliederzeitschrift fairkehr.

Während die Autoindustrie in ihrer Werbung bewusst mit Emotionen spielt, mangelt es vielen Nahverkehrsunternehmen an originellen Mar­keting­kampagnen, um Kunden zu gewinnen und zu binden. “Bislang liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf einem sicheren und effizienten Betrieb“, erklärt Armin Langweg vom Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH Aachen im fairkehr-Interview. “Die Orientierung an Kundenwünschen und Image­werbung spielt eine weniger große Rolle.” Dabei sei es für Verkehrs­verbünde gerade im ländlichen Raum wichtig, sich den Bedürfnisse ihrer Zielgruppen zu öffnen, um Bus und Bahn als attraktive, preiswerte Alternative zum Auto langfristig zu etablieren.

Langsam findet jedoch ein Umdenken statt: Der Münchener Nah­verkehrs­anbieter MVV etwa, der 2002 im Umland noch mit im Erscheinungs­bild sehr unterschiedlichen Bussen unterwegs war, tritt inzwischen mit einer weitgehend einheitlichen Busflotte auf. Die Zahl der behindertengerechten Busse konnte zudem auf 267 mehr als verfünffacht werden; elektronische Ticketdrucker in den Fahr­zeugen sind inzwischen ebenso Standard wie Monitore zur Information der Fahrgäste. Messbarer Erfolg: Die Fahrgastzahlen stiegen von 32,4 Millionen im Jahr 2000 auf 43,2 Millionen im Jahr 2006. Heute gilt der MVV bundesweit als Vorbild. Weitere Qualitäts­verbesserungen sind geplant.

Mit frischen Ideen zur Imageförderung und Kundengewinnung ar­bei­ten auch andere Verkehrsverbünde. So kann, wer ein Jahres­abo des Großraum-Verkehrs Hannover besitzt, für knappe sieben Euro ein Paket dazu buchen, das neben einer kostenlosen Bahncard 25 auch Sondertarife für Taxi, Mietwagen und Car-Sharing beinhaltet. In Frankfurt am Main besteht – auch durch das Engagement des VCD vor Ort – seit zehn Jahren einen aktiver Fahrgast­beirat. Der Verkehrsverbund im oberpfälzischen Cham gewährleistet die kostenlose Fahrradmitnahme in den Zügen innerhalb des Landkreises. Die Berliner Verkehrsbetriebe setzen auf den hohen Flirtfaktor von Bus und Bahn und bieten den Online-Suchdienst »Meine Augenblicke«, um die nette Bekanntschaft wiederzufinden. Wenn Verkehrsunternehmen nicht nur die nahe­liegenden Kundenwünsche – wie faire Preise, gute Verbindungen, Pünktlichkeit, Sicherheit, Barrierefreiheit, Umweltverträglichkeit – erfüllen, sondern durch solche Angebote auch ihr Image verbessern, gewinnen letztlich alle: die Fahrgäste mehr »Freude am Bahnfahren« und die Unternehmen zufriedene Kunden, die sich mit ihrem Nahverkehr langfristig identifizieren können.

Alle Artikel zum Titelthema »ÖPNV-Image« lesen Sie in der Ausgabe 01/2009 der VCD-Mitgliederzeitschrift fairkehr, dem Magazin für Umwelt, Verkehr und Reisen. Weitere Informationen auch unter www.fairkehr-magazin.de.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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