Pressemitteilung 6/2009, VCD-Landesverband Niedersachsen, 30.01.09, Braunschweig/ Lüneburg
Straßenbau verursacht enorme Kosten/VCD: „Selbstbedienungsmentalität zu Lasten des Umweltschutzes ungebrochen“
Wenn am heutigen Freitag nach wetterbedingten Verzögerungen die ersten Fahrzeuge auf der umstrittenen Autobahn A 39 zwischen Braunschweig und Wolfsburg verkehren, dann richten Planer und Kritiker ihr Augenmerk schon auf die nächste Großbaustelle. Für rund 72,5 Millionen Euro Steuergelder soll in Braunschweig bis zum Jahr 2012 der Autobahnknoten „Südwest“ umgestaltet werden. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert diese Pläne scharf.
„Ohne einen wirklichen verkehrlichen Nutzen werden für diesen unnützen Straßenbau mindestens 72,5 Millionen Euro öffentlicher Gelder verausgabt. Was könnte man anstelle einer einzigen Anschlussstelle für sinnvolle Maßnahmen umsetzen!“, kritisiert Hans-Christian Friedrichs, VCD-Landesvorstandsmitglied aus Lüneburg, die Planungen. „Während wir an anderen Orten um vergleichsweise kleine Investitionen in den umweltschonenden Schienenverkehr kämpfen, herrscht im Straßenbau eine ungezügelte Selbstbedienungsmentalität. So sind Schienenverkehrsprojekte, wie beispielsweise der Lückenschluss zwischen Lüchow und Salzwedel, wieder aus dem Landesraumordnungsprogramm herausgeflogen, weil man ihnen nur eine vermeintlich lokale Bedeutung beimaß. Bei den Autobahnen wäre das undenkbar, hier wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen.”
Der VCD bemängelt, dass der Sinn von neuen Autobahnen oftmals überbewertet werde. Gerade das Beispiel der geplanten A 39-Verlängerung von Wolfsburg nach Lüneburg verdeutlicht, dass die Kosten-Nutzen-Analyse an sich die weitere Planung der Autobahn entbehrlich mache. Nicht umsonst wurde das Nutzen-Kosten-Verhältnis der A 39 über Jahre mit einer Kombination aus A 14, B 190 n und A 39 verschleiert und mit 3,4 künstlich hochgerechnet. Auch die jüngste Verkehrsuntersuchung “VUNO 2008″ kombiniert immer noch A 39 und B 190 n, liefert aber nur noch ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 2,78. Normalerweise kommen erst Projekte mit einem NKV von mehr als 3 in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Würden jetzt, wie bei der A 14 bereits gesehen, realistische Baukosten zugrunde gelegt, ließe sich vermutlich gar keine Wirtschaftlichkeit dieser Planung darstellen. Zukunftsfähige Verkehrskonzepte müssten nach Überzeugung des VCD viel stärker den Ausbau vorhandener Schieneninfrastruktur zum Ziel haben. „Bedauerlicherweise ist im geplanten A 39-Korridor sogar vorgesehen, mit der Bahnstrecke Uelzen – Dannenberg sogar Gleise zu demontieren, anstatt den Wiederaufbau zu den Ostseehäfen zu forcieren. Anspruch und Wirklichkeit an eine moderne Verkehrspolitik passen in Niedersachsen einfach nicht zusammen“, so Friedrichs.
Ziel des VCD bleibt, mit einer schrittweisen Erhöhung der Lkw-Maut sowie deren Ausweitung auf alle Straßen die aktuelle Bevorteilung des Schwerlastverkehrs gegenüber der Schiene zurückzuführen. „Bei gleichen Rahmenbedingungen für Straße und Schiene wären überteuerte Maßnahmen wie am Südwestknoten in Braunschweig obsolet. Absehbar wieder steigende Benzinpreise sowie ein stärkeres Umweltbewusstsein werden den Druck auf die Politik erhöhen, Steuergelder effizienter als in den Straßenbau zu vergeben“, so Friedrichs.
Infos zu Autobahn-Planungen: www.vcd.org/nds
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Autor: VCD Niedersachsen.
Tags: Autobahn, Dannenberg, Infrastruktur, Lüchow, Lüneburg, Niedersachsen, Ostseehäfen, Straßenbau, Vergleich, Wolfsburg