“Umweltprämie” verlogen und ökologisch kontraproduktiv

VCD-Pressemitteilung 02/09 – Berlin, 13. Januar 2009.
VCD: Bundesregierung betreibt Augenwischerei

Als kurzsichtig und umweltpolitisch fatal beurteilt der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) den nächtlichen Beschluss der Großen Ko­alition, im Rahmen des zweiten Konjunkturprogramms den Auto­kauf un­abhängig vom Spritverbrauch der Fahrzeuge zu fördern. Neu­wagen­käufer und Käufer von neuen Gebrauchtwagen sollen 2500 Euro erhalten, wenn sie ihr mindestens neun Jahre altes Auto ver­schrotten. Der VCD kritisiert, dass die sogenannte Umweltprämie an keinerlei Umweltkriterien geknüpft sei und so auch der Kauf von Sprit­schluckern vom Staat subventioniert werde. Zudem sei es nicht zwangsweise umweltfreundlicher, einen Neuwagen zu kaufen statt einen Gebrauchtwagen weiter zu fahren. So würden Milliarden für Steuergelder nach dem Gießkannenprinzip verschleudert, und es fehle jeglicher Anreiz zur Produktion sparsamer Pkw.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Die Bundesregierung be­treibt Augenwischerei. Die jetzt beschlossene Prämie ist keine Um­welt- sondern eine Umweltzerstörungsprämie. Es ist skandalös, jetzt massenhaft Steuergelder zu verpulvern, damit die Auto­industrie weitermachen kann wie bisher – mit zu großen und nicht zukunfts­fähigen Autos. Die Große Koalition vertut ihre Chance, die deutsche Automobilindustrie mit kleinen, sprit­sparenden Modellen fit zu machen für den Markt der Zukunft. Der Bundes­tag darf diese sinnlose Prämie auf gar keinen Fall durchwinken.

Die Produktion eines Neuwagens verbrauche in etwa so viel Energie wie der durchschnittliche Autofahrer in zwei Jahren verfahre. Wenn nun kleine, ältere Neuwagen durch große, neue ersetzt würden, könne es sein, dass der Neuwagen sogar mehr Schadstoffe erzeuge und Sprit verbrauche.

So stoße beispielsweise ein neun Jahre alter Benziner weniger ge­sund­heitsschädigende Abgase aus, als ein durchschnittlicher Die­sel-Pkw aus dem Produktionsjahr 2009. Beim Kraftstoffverbrauch und beim Ausstoß des Treibhausgases CO2 fänden sich in der VCD Auto-Umweltliste 1999/2000 Fahrzeuge, die wegen ihres niedrigen Sprit­verbrauchs heute noch als beispielgebend gelten. So ver­braucht der damals produzierte Volkswagen Lupo 3L TDI 2,99 Liter Diesel und emittiert 81 Gramm CO2 pro Kilometer. Zum Vergleich: Der sparsamste Serien-Pkw des Baujahres 2009, der smart cdi, hat einen CO2-Ausstoß von 88 g CO2, der beste VW Polo emittiert 99 g/km. Ein zehn Jahre alter Opel Corsa 1.0 verbraucht mit 5,6 Liter Benzin genau so viel wie ein vergleichbarer Corsa, der heute vom Band rollt.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Wer ein spar­sames, neun Jahre altes Auto abmeldet und sich bei­spiels­weise einen ein Jahr alten VW Touareg kauft, der in der Slo­wa­kei pro­duziert wurde, bekommt ein Staatsgeschenk von 2 500 Euro Umwelt­prämie und zusätzlich bis 772 Euro Kfz-Steuer­nachlass pro Jahr. So ist die »Umweltprämie« sogar eine Klima­killer­prämie für ignorante Autofahrer. Wenn es eine konjunktur­fördernde Umweltprämie im Autobereich geben soll, dann wäre die Förderung von Partikelfiltern für Nutzfahrzeuge zielführend. Davon ist aber im Kon­junk­tur­programm keine Rede.” Dabei würden Partikelfilter in Transportern die Luft in den Städten nachhaltig verbessern und die Konjunktur in Deutschland befördern. Die Filter kämen haupt­sächlich aus heimischen mittelständischen Betrieben und würden in ortsansässigen Werkstätten eingebaut.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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