Krise am Automarkt – VCD warnt vor blindem Aktionismus

VCD-Pressemitteilung 01/09 – Berlin, 07.01.09

Die rückläufigen Verkaufszahlen am Automarkt dürfen die Politik nicht dazu verleiten, Milliarden an Steuergeldern ohne konkrete öko­logische Lenkungswirkung in den Automarkt zu pumpen. Dies for­dert der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) anlässlich des gestern öffent­lich gewordenen Rückgangs von Pkw-Neuzulassungen in Deutsch­land im Jahr 2008. Stattdessen müsse die Krise als Chance begriffen werden, eine zukunftsfähige und ökologische Ver­kehrs­politik einzuläuten. Statt einer Abwrackprämie oder zins­verbilligter Kredite für den Autokauf sollte die große Koalition besser zügig eine CO2- basierte Kfz-Steuer mit echter ökologischer Lenkungs­wirkung umsetzen und in den öffentlichen Verkehr investieren. Beim Ausbau des umweltfreundlicheren Bus- und Bahnnetzes seien deutlich größere Beschäftigungseffekte zu erzielen als in der Autobranche.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Wird der Umwelt­ver­bund durch modernere Fahrzeuge und bessere Ver­bindungen gestärkt, führt dies zu mehr Fahrgästen in Bussen und Bahnen und somit zu einem Aufschwung bei Busherstellern und im Schienen­fahr­zeugbau. Mehr Bus-, Lok- und Straßenbahnfahrer würden gebraucht, dazu mehr Service- und Wartungskräfte – ein unmittelbarer positiver Beschäftigungseffekt. So könnten zig­tausend neue Jobs geschaffen und eine zukunftsfähige Verkehrs­politik vorangetrieben werden.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland sei bei weitem nicht so stark ab­hängig von der Pkw-Produktion wie die Autohersteller glauben ma­chen wollten. So hänge nicht jeder 7. sondern nicht einmal jeder 20. Arbeitsplatz von der Produktion und Nutzung von Pkw ab. Bei der von der Autolobby benutzten Zählung seien auch Be­schäf­ti­gungs­effekte durch die Lkw- und Bus-Produktion mit eingerechnet. Zudem, so der VCD, sei die Autoproduktion in den letzten Jahren stark von Rationalisierung und Automatisierung geprägt gewesen. Um die Zukunft der Autobranche dauerhaft zu sichern, müsse die Politik die Hersteller zwingen, auf Pkw mit niedrigem Energie­verbrauch zu setzen. Dafür sei die Reform der Kfz-Steuer schnells­tens so umzusetzen, dass Spritschlucker deutlich stärker belastet werden als sparsame Autos.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Der Export von Pkw bricht zusammen. Er ist aber durch Kon­junk­tur­maß­nahmen in Deutschland nicht zu fördern. Neu­zu­lassungen in Deutschland sind im letzten Jahr nur leicht gesunken. Verlierer waren vor allem aus­ländische Hersteller. Bei den deutschen Herstellern verloren nur die GM-Tochter Opel und der Sport­wagenhersteller Porsche. VW dagegen realisierte 2008 einen Rekord­gewinn und verkaufte wie geplant mehr Wagen als im Vorjahr. Mercedes und BMW konnten ihre Verkaufszahlen stabil halten. Die Kassen der Hersteller sind also gut gefüllt. Definitiv falsch ist es, jetzt in Krisenzeiten massenhaft Steuer­gelder zu verpulvern, damit die Autoindustrie so wie bisher weitermachen und auch ihre Spritschlucker verkaufen kann, die in den letzten Wochen zu Ladenhütern wurden.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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