Flughafen Frankfurt

Pressemitteilung 47/2008, VCD Hessen, 18.12.2008
VCD: Sinkende Passagierzahlen stellen Flughafenausbau in Frage – Luftfahrt weltweit im Umbruch

Der anhaltende Rückgang der Passagierzahlen am Frankfurter Flug­hafen stellt nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) den ökonomischen Sinn einer neuen Landebahn zunehmend in Frage. „Der Einbruch ist weniger eine konjunkturelle denn eine struk­tu­rel­le Schwäche“, sagte Werner Geiß, Luftverkehrsexperte des VCD Hes­sen. „Die Finanzkrise war wohl Auslöser, aber nicht allein Ur­sa­che.“ Der Umwelt- und Verbraucher­verband fordert, statt in den Flug­hafen in den Schienenverkehr zu investieren. Das diene nicht nur dem Klimaschutz, sondern schaffe auch mehr Arbeits­plätze.

Wegen weltweiter Entwicklungen wird sich nach Einschätzung des VCD der Flugverkehr grundlegend verändern. Geiß verweist auf den No­bel­preisträger Paul Krugmann, der den billigen Verkehr als Grund für einen ineffizienten, ausufernden globalen Handel ansieht, der selbst nach einer wirtschaftlichen Erholung nicht wieder den frü­he­ren Umfang erreichen dürfte. Nach Ansicht des VCD werden des­halb der noch immer steuerfreie Flug­verkehr und insbesondere die Luftfracht auf Dauer Federn lassen müssen. Der Markt für Flug­touris­mus sei allmählich gesättigt. Hinzu komme, dass der Flug­ver­kehr teurer wird, wenn die Luftfahrt­unternehmen von 2013 an einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und CO2-Emissions­zertifikate kaufen müssen.

Auch aus technologischer Sicht hält der VCD den Ausbau des Flug­hafens für fragwürdig. Aus Gründen des Klimaschutzes lässt die EU gemeinsam mit der Luftfahrt­industrie im Projekt „Clean Sky“ Flug­zeuge entwickeln, die durch leichtere Werkstoffe und neue Trieb­werke weniger Kohlendioxid ausstoßen. „Flugzeuge werden künftig kleiner, aber auch lauter sein“, erläutert Geiß. Nicht nur die Her­steller, vor allem auch die Flughäfen müssten sich neu auf­stel­len. Luft­fahrt­drehkreuze und konventionelle Großflugzeuge lohnten sich nur noch dort, wo Treibstoff noch länger billig verfügbar ist, etwa in der Golfregion. Europäische und amerikanische Airlines dagegen setzten auf kleinere, sparsame Maschinen im umsteigefreien Direkt­flug­betrieb zu lärm­un­empfind­lichen Standorten an der Peripherie der Ballungs­räume. „All dies wurde bei der Ausbauplanung für Frankfurt ignoriert“, sagte Geiß. Nach Ansicht des VCD wäre die verantwortliche Politik gut beraten, für die Beschäftigten der Luftfahrt eine nachhaltige und tragfähige Alternative zum Flug­hafen­ausbau zu bieten. Nur mit einem Programm zur umfassenden Sanierung und dem Ausbau des Schienenverkehrs könne es zugleich gelingen, den Transportbedarf unter Wahrung der Klima­schutz­ziele zu bewältigen und aufgrund der arbeitsintensiven Prozesse weit mehr Jobs zu schaffen als in der Luftfahrt entfallen.

Zum Hintergrund: Im November verzeichnete der Frankfurter Flug­hafen im sechsten Monat in Folge rückläufige Passagierzahlen. Auch die Frachtmenge verringerte sich.

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Autor: VCD Hessen.

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