Umweltverbände protestieren vor Bundestag

Gemeinsame Pressemitteilung Verkehrsclub Deutsch­land, NABU, BUND, WWF Deutschland, Berlin, 4.12.08
“Sparautos statt Spritfresser! Konjunktur braucht Klimaschutz!”

Gegen die geplante Kfz-Steuerbefreiung von Neuwagen und den ab­geschwächten CO2-Grenzwert für Pkw protestierten heute Umwelt­verbände vor dem Deutschen Bundestag. Unter dem Motto “Spar­autos statt Spritfresser! Konjunktur braucht Klimaschutz!” stellten der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Verkehrs­club Deutsch­land e.V. (VCD) und die Umweltstiftung WWF Deutsch­land stell­vertretend für alle Pkw mit hohem und niedrigen Verbrauch einen VW Touareg und einen VW Golf BlueMotion auf. Öl­fässer symbolisierten den Verbrauchs­unterschied zwischen beiden Fahr­zeu­gen. Die Umwelt­verbände forderten Bundestag und Bundes­regierung auf, Anreize zum Bau spritsparender Modelle zu schaffen. Anlass der Aktion ist die heutige Entscheidung des Bundes­tags zum Kon­junk­tur­progamm sowie die Regierungserklärung von Bundes­kanzlerin Angela Merkel zum EU-Klimapaket.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: “Die Bundes­regierung kurbelt mit ihrer Politik die Wirtschaft nicht an, sondern ge­fährdet Arbeitsplätze in Deutschland. Durch die vorgesehene Kfz-Steuerbefreiung unabhängig vom CO2-Ausstoß und einen auf EU-Ebene abgeschwächten CO2-Grenzwert von mindestens 130 Gramm ab 2015 werden die Autobauer aus der Pflicht genommen, endlich umweltschonende und zukunftsfähige Autos zu pro­du­zieren. Nur diese werden aber bei künftig steigenden Energie­kosten für den Verbraucher bezahlbar sein.

Bei einer für Diesel durchschnittlichen Fahrleistung von 20 000 Kilo­metern pro Jahr verbrauche der VW Touareg V10 TDI rund 1 500 Liter mehr Dieseltreibstoff als der VW Golf BlueMotion. Pro Kilometer stoße der Geländewagen 315 Gramm CO2 aus, im Vergleich zu 119 Gramm CO2 beim BlueMotion. Trotzdem werde der Touareg durch die im Konjunkturprogramm vorgesehene Kfz-Steuer­befreiung auf­grund seines größeren Hubraumes jährlich mit 772 Euro, der klima­freundlichere Golf aber nur mit 293 Euro gefördert.

Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte: “Das Beispiel zeigt die Ab­sur­dität der geplanten Steuerbefreiung: Große und teure Sprit­fres­ser bekommen das Geld hinterher geschmissen und den Normal­kunden fehlt der steuerliche Anreiz, spritsparende Modelle zu kaufen. Stattdessen brauchen wir eine sofortige Umstellung der Kfz-Steuer auf CO2-Basis. Spritfresser müssen dabei so hoch mit Abgaben belastet werden, dass Käufer von spritsparenden Pkw komplett von der Steuer befreit werden können. Das ist nicht nur ökologisch sondern auch sozial gerecht.

Dietmar Oeliger, NABU-Verkehrsexperte: “Der europäische CO2-Grenz­wert für Neuwagen ist bis zur Unkenntlichkeit verwässert worden und wird bis zum Jahre 2015 keinen Beitrag zum Klima­schutz leisten. Jetzt muss zumindest das Langfristziel von 95 Gramm pro Kilometer für das Jahr 2020 verbindlich festgelegt werden. Ansonsten droht das Gesetz komplett zur Farce zu werden. Die Krise der Autoindustrie muss als Chance begriffen werden, einen Wandel in der Modellpolitik herbeizuführen. Der Bau kli­ma­freundlicher Pkw-Modelle ist längst machbar, das zeigen viele bereits auf dem Markt befindliche Sparmodelle.

Viviane Raddatz, WWF-Verkehrsexpertin: “Die Bundeskanzlerin hat vor 14 Jahren als Um­welt­ministerin genau die Grenzwerte vor­ge­schla­gen, die sie nun auf EU-Ebene verhindert hat. Das ist peinlich. Aber es passt dazu, wie sich Angela Merkel derzeit insgesamt positioniert: Klimaschutz wird kurzfristigen In­dustrie­interessen geopfert. Die Botschaft, die damit an die internationale Klima­konferenz in Posen geht, lautet: Deutschland hat im Klima­schutz den Rückwärtsgang eingelegt.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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