20 Jahre VCD in Hessen

Pressemitteilung 44/2008, Landesverband Hessen, Kassel/Frankfurt, 26. November 2008
Fahrgäste fordern mehr Mitspracherechte – Finanzkrise als Chance für Klimaschutz

Im öffentlichen Nahverkehr müssen die Interessen der Fahrgäste künftig stärker berücksichtigt werden. Das hat der Landesverband Hessen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) anlässlich der Feier sei­nes 20-jährigen Bestehens in Frankfurt gefordert. „Bei der Aus­schreibung von Bus- und Bahnverkehr darf es nicht nur um den Preis gehen, sondern es muss die Qualität im Vordergrund stehen“, sagte Udo Messer, Vorstandsmitglied des Umwelt- und Ver­brau­cher­verbandes. Einsparungen, die durch verstärkten Wett­be­werb der Anbieter erzielt werden, dürften nicht zur Sanierung der öffentlichen Haushalte verwendet werden, sondern müssten in die Verbesserung des Angebots fließen. Die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs müssten mehr Mitspracherechte erhalten, zum Beispiel über Fahrgastbeiräte oder Fahrplankonferenzen.

Der VCD sieht einen kundenfreundlichen Nahverkehr als wichtigen Bau­stein für ein klimafreundliches Verkehrskonzept. Klimaschutz wird der Schwerpunkt der Arbeit des VCD in den nächsten Jahren sein. „Die Finanzkrise bieten eine große Chance, jetzt unsere Mobilität auf eine neue solide Basis jenseits veralteter, klima­schädlicher Konzepte zu stellen“, meint VCD-Vorstandsmitglied Werner Geiß. Gerade Hessens Wirtschaft werde immer noch zu sehr vom Öl angetrieben. „Der Treibstoff Hirnschmalz schafft viel mehr Arbeits­plätze, erhitzt höchstens die Gemüter, aber nicht das Welt­klima“, so Geiß. Im Gegensatz zur Politik reagiere die Bevölkerung auf die Krise sehr besonnen, indem sie ihren Konsum von protzigen Status­symbolen wie spritfressenden Auto-Dinosauriern auf sinn­vollere Leistungen verlagere. Geiß: „Das sind gute Voraus­setzungen, jetzt die Verbraucher von den Belangen des Klima­schutzes zu überzeugen.“ Dann werde auch die Politik einsehen, dass Investitionen in Flughäfen und Autobahnen schiere Ver­schwendung sind, Umwelt-, Klima- und Naturschutz, öffentliche Ver­kehrs­mittel und alternative Energien dagegen der Gesellschaft hohe Renditen bringen werden. „Nie waren wir so wichtig wie heute“, beschreibt Geiß die Aufgaben der Umweltverbände.

Der VCD Hessen wurde 1988 als Interessenvertretung für Fuß­gänger, Radfahrer, Fahrgäste von Bussen und Bahnen sowie für umwelt­bewusste Autofahrer gegründet. „Wir haben in diesen 20 Jahren wichtige Impulse gegeben“, sagte Vorstandsmitglied Andreas Henning bei der Jubiläumsveranstaltung im Frankfurter Ge­werk­schafts­haus. So habe der VCD bereits 1991 zusammen mit anderen Verbänden ein Schienen­verkehrs­konzept für die Rhein-Main-Region erarbeitet, in dem bereits richtungsweisende Projekte wie die „Regionaltangente West“ enthalten waren. Der VCD-Bundes­vorsitzende Michael Gehrmann lobte den VCD Hessen unter anderem für seinen Beitrag zur Verhinderung des Projekts „Frankfurt 21“, bei dem der Hauptbahnhof in einen Tunnel verlegt werden sollte. „Jetzt müssen endlich die Alternativkonzepte zum Tragen kommen, die der VCD zusammen mit anderen entwickelt hat“, forderte Gehrmann.

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Autor: VCD Hessen.

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