Regierung will Steuer für alle Neuwagen aussetzen

VCD-Pressemitteilung 74/08 – Berlin, 30.10.08
VCD verurteilt geplante Steuergeschenke für Autoindustrie: Keine Lenkungswirkung für den Klimaschutz

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) verurteilt die Pläne der Bundes­regierung, Neuwagen generell für mindestens ein Jahr von der Kfz-Steuer zu befreien. Damit würden Autokäufer belohnt, un­ab­hängig davon, wie viel das neue Auto verbraucht und wie viel Treib­haus­gase es ausstößt. “Das hat mit Umwelt-, Klima- und Re­ssour­cen­schutz nicht das Geringste zu tun!“, empört sich Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender und fordert: “Wenn die Regierung noch irgendetwas auf ihre eigenen Klima­schutz­versprechen gibt, muss sie die Steuerbefreiung an einen Treib­haus­gasausstoß von maximal 120 Gramm CO2 pro Kilometer koppeln. Außerdem müssen dann auch Nutzer öffentlicher Verkehrs­mittel mindestens in gleicher Höhe belohnt werden. Denn die sind die eigentlichen Klimaschützer!

Die Schadstoffnorm Euro 4 ist bereits seit Januar 2005 für alle Neu­wagen verbindlich. Damit würden nach den Vorstellungen der Bun­des­regierung alle Fahrzeuge, die nächstes Jahr gekauft werden, mindestens ein Jahr keine Kfz-Steuern bezahlen. Die allermeisten würden sogar für zwei Jahre befreit, da die Autoindustrie ihre Neu­wagen jetzt schnell nach der Schadstoffnorm Euro 5 zu lassen wird, die ab September 2009 für neue Modelle vorgeschrieben ist. “Damit ist jede Lenkungswirkung beim Autokauf ausgehebelt. Es geht also nur darum, den Herstellern zu helfen, ihre vollen Ver­kaufs­räume zu leeren“, urteilt Gerd Lottsiepen, verkehrs­politischer Sprecher des VCD. Sinnvoll sei eine Steuer­befreiung lediglich für Euro 6-Fahrzeuge, da diese einen erheblichen Fortschritt in der Abgastechnik versprächen.

Die Absurdität des Regierungsvorschlags werde deutlich, wenn man einige Beispiele betrachte. So würden beispielsweise auch Ge­län­de­wagen mit durchschnittlichen Spritverbräuchen bis zu 15 Litern auf 100 Kilometern und CO2-Werten von weit über 300 g/km mit einer Steuer­befreiung belohnt. “Will die Regierung im Ernst den Kauf eines Klimakillers wie zum Beispiel des an die 80000 Euro teuren VW-Touareg mit gut 1500 Euro subventionieren, der laut Eigen­werbung einen Jumbojet ziehen kann und einen CO2-Aussstoß von 315 g/km hat?“, fragt Lottsiepen.

Aber auch einfache Dieselfahrzeuge ohne geregelten Partikelfilter wür­den von der Vergünstigung profitieren. Beispielsweise würde ein Jahr Steuerfreiheit für einen rund 11000 Euro teuren Dacia Logan immerhin 230 Euro Ersparnis bringen. “An der Förderung so einer Dreck­schleuder wird deutlich, dass der Vorstoß auch nichts mit der Minderung krebserregender Schadstoffe zu tun hat“, schluss­folgert Lottsiepen. Umweltminister Gabriel verkünde, mit der Regelung »besonders« schadstoffarme Pkw zu fördern. “In Wahrheit wäre das Konjunkturförderung mit der Gießkanne, die auch Umwelt­sünder belohnt. Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass die Länder dieses Steuergeschenk ohne Sinn und Verstand ablehnen“, erklärt Lottsiepen.

Verwandte Artikel

Autor: VCD-Bundesverband.

Tags: , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort