Modellversuch zu Elektrofahrzeugen in Berlin

VCD-Pressemitteilung 58/2008 – Berlin, 5. September.2008
Elektromobilität noch weit entfernt von Massentauglichkeit / Autos schnell sparsamer machen mit ambitioniertem CO2-Grenzwert

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) warnt anlässlich der heu­ti­gen Präsentation des Projektes »E-Mobility Berlin« vor über­eilter Eupho­rie beim Thema Elektrofahrzeuge. Es sei zwar gut und richtig, jetzt Pilotprojekte wie das in Berlin zu starten und die For­schungs­an­stren­gungen in dem Bereich zu verstärken. Doch zur Lösung der akuten Probleme von Klimawandel und Ressourcen­schwund könnten Elektro­autos in absehbarer Zeit leider noch keinen entscheidenden Beitrag leisten.

Elektromobilität ist noch weit davon entfernt, massentauglich und um­welt­schonend zu sein“, erklärt Hermann-Josef Vogt vom VCD-Bundes­vorstand. Weder gebe es bisher eine bezahlbare und ausgereifte Batterietechnik, noch eine entsprechende Strom­infra­struktur für schnelles Aufladen. “Selbst optimistische Schätzungen gehen für 2020 von gerade einmal zwei Millionen Elektro­fahr­zeugen in Deutschland aus – bei einem Bestand von 50 Millionen Pkw. Das ent­spräche einem Anteil von weniger als fünf Prozent“, rechnet Vogt vor. Außerdem seien Elektrofahrzeuge erst dann klima­freundlich, wenn der verwendete Strom aus regenerativen Quellen erzeugt werde. Bisher stammten aber nur rund 15 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien.

Nach Einschätzung des VCD wird ein smart mit Elektroantrieb in den ersten Produktionsjahren gut doppelt so teuer sein wie ein Ben­ziner. “Autos mit Verbrennungsmotor werden also noch viele Jahre den Markt beherrschen. Damit ist es für den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit mit Energie und für das Portemonnaie der Autofahrer absolut vorrangig, den Kraftstoffverbrauch deutlich zu senken“, folgert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Das beste Mittel dafür sei die Einführung eines ambitionierten CO2- und Verbrauchsgrenzwertes, der zurzeit auf europäischer Ebene intensiv verhandelt werde.

Lottsiepen kritisiert: “Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Daim­ler AG agieren in Brüssel als heftige Bremser. In der heutigen Show präsentiert Daimler wieder einmal Zukunftstechnik, die den Blick auf die Realität verklärt.Letzte Woche erst habe der Europäische Verband für Verkehr und Umwelt »T&E« eine Studie veröffentlicht, die zeige, dass Daimler im Vergleich zu allen großen Auto­herstellern europaweit den letzten Platz beim CO2-Ausstoß belegt.

Daimler ist nicht nur Klimaschlusslicht, sondern auch Meister der gebrochenen Versprechen: Für 2004 hatte der Konzern eine Flotte von Brennstoffzellenfahrzeugen versprochen. Bis heute Fehl­anzeige. Für Herbst 2008 wurde angekündigt, den Diesel-smart endlich serienmäßig mit geregeltem Partikelfilter auszurüsten. Im August musste Daimler dann kleinlaut zugeben, dass nicht einmal diese vergleichsweise einfache Technik funktioniert. Jetzt soll es das Elektroauto richten“, zählt Lottsiepen auf. Mit derlei Zukunfts­versprechen überrede die Autoindustrie immer wieder die Politik, auf ehrgeizige und verbindliche Grenzwerte für Kraft­stoff­verbrauch und CO2-Ausstoß zu verzichten. “Damit muss jetzt Schluss sein, die Politik darf sich nicht länger zum Handlanger der rückständigen Auto­bosse machen lassen“, fordert Lottsiepen.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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