Halbjahresbilanz der DB AG

VCD-Pressemitteilung 53/08 – Berlin, 18. August 2008
VCD fordert höhere Investitionen in Infrastruktur und Angebot

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) bewertet die heute von der Deutschen Bahn AG vorgelegte Halbjahresbilanz mit Skepsis. Die Zu­wächse bei den Fahrgast­zahlen im ersten Halbjahr um rund drei Pro­zent seien zwar durchweg positiv zu bewerten, da sie die Aus­lastung der Züge erhöhten und so die Umweltbilanz der Bahn ver­besserten. Doch die Umsatzsteigerungen rührten vor allem vom besonders gestiegen Güterverkehrsbereich und aus dem Ausland her, also nicht vom nationalen Personenverkehr.

Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: “Ein gutes Ergebnis des Bahnkonzerns nützt Menschen und Umwelt auf Dauer nur, wenn die Infrastruktur gut gepflegt, Engpässe beseitigt und die An­gebote für Reisende weiter verbessert werden. Hier brauchen wir höhere Investitionen. Wenn stattdessen Gewinne künftig vor­rangig an Privatinvestoren ausgeschüttet und in internationale Lo­gi­stik­vorhaben investiert werden, geht das zulasten einer kunden­freundlichen und umweltverträglichen Bahn.Dringend not­wendig seien vielmehr bessere Verbindungen in der Fläche und eine fort­laufende Erneuerung des Fuhrparks, beispielsweise bei den Inter­citys und im Bereich Güterverkehr.

Nach Ansicht des VCD muss es oberstes Ziel der DB AG sein, neu ge­wonnene Kundinnen und Kunden zu halten. Außerdem könne das Unter­nehmen angesichts hoher Spritpreise weiterhin von der wachsen­den Umsteigebereitschaft vieler Auto­fahrer und Auto­fahrerin­nen profitieren. “Die turnusmäßig angekündigte Preis­erhöhung im Dezember ist dafür allerdings mit Sicherheit das falsche Signal“, urteilt Heidi Tischmann, VCD-Verkehrsreferentin. Ziel der Bahn wie auch der Politik müsse es sein, den Anteil der Schiene am Verkehr dauerhaft zu erhöhen. Bisher sei die Verkehrs­leistung im Schienenfernverkehr seit der Bahnreform von 1994 nicht gestiegen.

Nach Ansicht des Umwelt- und Verbraucherverbandes VCD steht zu befürchten, dass sich negative Trends mit der Teilprivatisierung im Herbst verstärken. Die Gewinnerwartung der Investoren erhöhe den Druck auf den Konzern, Geld zu verdienen, weniger lukrative Ver­bin­dungen zu streichen und Fahrpreise weiter anzuheben. “Das würde jedoch eine Abwärtsspirale für Angebot und Nachfrage im Schie­nen­verkehr bedeuten“, warnt Tischmann. “Deshalb muss die Bundes­regierung jetzt klare Mindeststandards im Fernverkehr definieren und dafür sorgen, dass sie erfüllt werden. Eine Schrumpf­bahn, die sich auf wenige Hochgeschwindigkeitsstrecken konzentriert, erfüllt jedenfalls nicht die Anforderungen einer nach­haltigen Verkehrspolitik.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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