Statussymbole schaffen keine Arbeitsplätze

Pressemitteilung 24/2008, VCD Hessen, 3. Juni 2008
VCD zur Diskussion um den Flughafen Calden

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht gute Chancen, dass der Ver­waltungs­gerichts­hof (VGH) in Kassel den Ausbau des Flughafens Kassel-Calden ablehnt. „Inzwischen geben selbst die engagiertesten Wirtschafts­vertreter zu, dass es nur noch um den Betrieb von Ge­schäfts­reise­flugzeugen geht, wie kürzlich auf einer Veranstaltung der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände deutlich wurde“, erklärte Werner Geiß, Flugverkehrsexperte des VCD Hessen. Wie das Gericht moniert habe, bestätige sich für kommerzielle Passagierflüge offen­sichtlich nicht einmal der sehr geringe Bedarf von rund 600.000 Flug­gästen jährlich, den die bislang vorliegenden Prognosen vorgeben.

Geiß: „Selbst für die teuersten Business Jets, die weniger von Geschäft­sreisenden, denn von Stars aus Popmusik und Sport zur Repräsentation genutzt werden, reicht der heutige Ausbauzustand aus.“ Weitaus höher frequentierte Plätze mit regem Verkehr von Passagier­jets böten nur kürzere Landebahnen und eine geringere Hindernisfreiheit als der heutige Flughafen Calden. Dass auf dem Vorfeld oftmals nicht ein einziges Geschäfts­reise­flugzeug geparkt ist, liegt nach Einschätzung des VCD allein am fehlenden Bedarf, nicht an der unzureichenden Infrastruktur.

Die zahllosen, großzügig ausgebauten Regional­flughäfen zeugten von einer immensen Verschwendung von Steuergeldern, sagte Geiß. „Die meisten dämmern kaum genutzt in der Provinz, wenige sind nur deshalb frequentiert, weil die Landegebühren hoch subventioniert und auf ein paar Euro reduziert sind.“ Die Provinz-Airports verstoßen eklatant gegen das Gebot der Effizienz öffentlicher Investitionen. Dass wirtschaftliche Prospe­rität nicht von der Fughafeninfrastruktur abhänge, sei durch seriöse Gutachten nachgewiesen.

Der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Beschäftigung einerseits und Luft­verkehrs­kapazitäten andererseits ist weit hergeholt und nicht absolut nachvollziehbar“, erklärte Geiß. Der Niedergang des Industrie­zeitalters im nordhessischen Raum sei mit Privatjets oder Billig­fliegern nicht aufzuhalten. Die verantwortliche Politik habe es versäumt, in der Region neue Wirtschaftsgrundlagen zu schaffen. Geiß: „Insbesondere die Stadt Kassel vernachlässigt ihre zukunfts­tauglichen Qualitäten als Kultur- und Wissenschafts­standort, der durch Hochschulen und die Documenta gegeben sind. Zur Ausschöpfung dieses enormen Ent­wicklungs­potentials braucht man keinen Großflughafen. Das unsinnige Projekt verschlingt Unsummen, die für Investitionen in Bildung und Forschung fehlen.

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Autor: VCD Hessen.

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