VCD befürchtet Kürzungen im hessischen Bahnverkehr

Pressemiteilung 18/2008, VCD Hessen, 14. April 2008

Nach einer Privatisierung des Fernverkehrs der Deutschen Bahn AG könnte es auch in Hessen zu Angebotskürzungen kommen. Darauf hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hingewiesen. Die Oberzentren Gießen und Marburg könnten – wie schon vor einigen Jahren Offenbach – vom Intercity-Verkehr abgehängt, die Anbindung der Landes­haupt­stadt Wiesbaden weiter verschlechtert werden. „Der Fernverkehr droht zu einer kleinen, profitablen Marktnische zu werden“, sagte der hessische VCD-Landesvorsitzende Werner Geiß. „Eine privatisierte Schrumpfbahn mit maximaler Rendite aber darf nicht das Ziel der Politik sein.“ Private Investoren seien willkommen, wenn sie Mittel zur Verfügung stellen, um den Marktanteil des Schienenverkehrs zu erhöhen. „In der aktuellen Diskussion wird leider übersehen, dass es nicht darum geht, den Gewinn eines Verkehrsunternehmens zu maximieren, sondern eine bessere Bahn zu bekommen“, kritisierte Geiß. Nur mit einer erheblichen Verlagerung von Straßen- und Flugverkehr auf die Schiene seien im Transitland Hessen die Klimaschutzziele zu erreichen. Bei einer Privatisierung des Fernverkehrs der DB müssten gleichzeitig gesetzliche Mindest­standards für die Qualität der Bedienung festgelegt werden, fordert der VCD Hessen.

Der Umwelt- und Verbraucherverband beruft sich bei seiner Ein­schätzung auf ein Gutachten des Berliner Beratungsunternehmens KCW. Demnach würden zahlreiche Intercity-Verbindungen die Rendite-Erwartungen eines privaten Investors nicht erfüllen. Dazu zählt auch die IC-Linie 26 von Stralsund über Kassel, Marburg, Gießen, Frankfurt, Darmstadt und Heidelberg nach Karlsruhe. Der VCD warnt vor den Folgen für den Steuerzahler: Als Ersatz für die möglicherweise ent­fallen­den IC müssten die Verkehrsverbünde Regional­express-Züge einsetzen, die mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden. Die jähr­liche Belastung in Hessen schätzt der VCD auf Basis des KCW-Gutachtens auf 6 bis 11 Millionen Euro.

Der VCD befürchtet, dass in Vorbereitung auf den Börsengang bereits zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember einzelne Züge ge­stri­chen werden. Konkrete Pläne zur Verschlechterung der Ver­bin­dungs­qualität gebe es für die Strecke Frankfurt–Mannheim–Karls­ruhe. Schon in den vergangenen Jahren sei das Fernverkehrsnetz immer weiter ausgedünnt worden, unter anderem durch die Ein­stellung der Interregio-Züge.

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Autor: VCD Hessen.

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