Feinstaubbekämpfung: DUH und VCD fordern Roadmap für saubere Nutzfahrzeuge

Gemeinsame Pressemitteilung von VCD und DUH – Berlin, 9. April 2008
Bereits Ende März erste Überschreitungen der Fein­staub­grenzwerte – Pkw-Neuwagen weitgehend mit Rußfilter aus­ge­stattet / Nutz­fahrzeuge noch nicht auf dem “Stand der Technik” – Bundes­länder sollen die zweck­gebundenen Mehr­ein­nahmen von ca. 600 Mio. € für Diesel­partikel­filter für Nutzfahrzeug-Nachrüstung zur Verfügung stellen – Fein­staub­bekämpfung absurd: Kraft­fahrt­bundes­amt erteilt seit Monaten keine Zulassungen für fertig ent­wickelte Nach­rüst­filter für Transporter, Lkw und Busse

Das Feinstaubproblem in Deutschland ist noch nicht gelöst. Das zeigen aktuelle Messergebnisse zur Feinstaubbelastung der Atem­luft ins­be­son­dere in den verkehrsreichen Ballungszentren. Danach ist der Grenz­wert von 50 Mikrogramm Feinstaub (PM 10) pro Kubikmeter Luft seit Jahresbeginn bereits an über 300 Mess­stellen mindestens einmal überschritten worden. Die Porsche- und Daimler-Stadt Stuttgart als “Metropole der deutschen Auto­mobil­industrie” erreichte bereits Ende März am Neckartor den für das gesamte Jahr maximal tolerierten Grenzwert von 35 Überschreitungen und trägt – dicht gefolgt von der BMW-Stadt München – auch in diesem Jahr den Titel “schmutzigste Stadt Deutschlands“.

Wesentliche Ursache für die Feinstaubbelastung der Atemluft in Ballungs­gebieten ist der Rußpartikel-Ausstoß von Dieselmotoren. Die seit Jahren bewährten Technologien zur Feinstaubbekämpfung sind nur unzureichend verbreitet. “Immerhin sind auf maßgeblichen Druck der Umweltverbände inzwischen fast alle neuen Diesel-Pkw mit einem geschlossenen Partikelfilter gegen krankmachenden Dieselruß aus­gestattet“, erklärt Jürgen Resch, Bundes­geschäfts­führer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH). Für rund 80 Prozent der älteren Diesel-Pkw seien zudem inzwischen taugliche Nachrüstfilter erhältlich, deren Einbau steuerlich gefördert werde. “Bei Transportern, Lkw und Bussen sieht es dagegen finster aus: Die überwiegende Zahl der Neufahrzeuge wird weiterhin ohne Filter ausgeliefert und ist damit technisch bereits vor dem ersten gefahrenen Kilometer veraltet“, bemängelt Resch. Auch die behördliche Zulassung dringend not­wendiger Nachrüstlösungen durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) ist seit Monaten zum Erliegen gekommen. Der Grund ist ein neuerlicher Fehler des Umwelt- und Verkehrsministeriums bei der Formulierung der Zulassungsvorschrift. “Das ist Umweltpolitik absurd – seit Monaten wurde keine neue Betriebserlaubnis für die dringend benötigten Nach­rüst­lösungen erteilt“, so Resch.

Die derzeitige Situation sei besonders problematisch, da Nutz­fahr­zeuge für etwa die Hälfte der feinstaubbedingten Belastungen in den Städten verantwortlich seien. Dennoch setze die Politik, anders als bei den Pkw, keine Anreize zur Nachrüstung. “Die Bundes­regierung darf jetzt nicht auf halber Strecke stehen bleiben und sich hinterher wundern, dass die Belastung zu wenig sinkt und die Grenzwerte immer noch verfehlt werden“, sagt Resch. Außerdem lasse sie Gewerbe­treibende im Stich, die für die weitere Einfahrtsmöglichkeit in Umweltzonen auf die Nachrüstung ihrer Fahrzeuge angewiesen sind. Insbesondere bei Transportern von Handwerkern und Klein­unter­nehmern gebe es einen großen Bestand an Altfahrzeugen, die ohne Ausnahme­genehmigung teilweise schon heute nicht mehr in Umwelt­zonen einfahren dürften. Spätestens 2010 drohten auch Fahrzeugen mit roter oder gelber Fein­staub­plakette in den Umweltzonen Fahrverbote. Diese machten in Berlin nach Zählungen der Feinstaub-Kontrollteams der DUH rund zwei Drittel der mit Plakette gekennzeichneten Nutzfahrzeuge aus. “Die für die Förderung der Nachrüstung von Nutzfahrzeugen notwendigen Geldbeträge sind bei den Bundesländern vorhanden. In den Jahren 2006 und 2007 haben diese etwa 450 Mio. € an zweckgebundenen Steuermehreinnahmen für Diesel-Pkw ohne Filter kassiert. Nach den neuesten von der DUH gestern vorgestellten Zahlen werden hiervon aber nur 89 Mio. € für die Pkw-Nachrüstung ausgegeben. Die Mehreinnahmen bis Ende 2009 belaufen sich auf mind. 600 Mio. €, die für die Nachrüstförderung der Nutzfahrzeuge verwendet werden sollten“, so Resch.

Um die Luftqualität in den Städten schnell und nachhaltig zu ver­bessern und Lösungen für Gewerbetreibende aufzuzeigen, haben die Deutsche Umwelthilfe und der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) eine Roadmap für saubere Nutzfahrzeuge entwickelt. Sie zeigt, wie Bund und Kommunen mit Hilfe notwendiger und kurzfristig umsetzbarer Maßnahmen dem Feinstaubproblem zu Leibe rücken können. “Allem voran muss die Ausrüstung von Neufahrzeugen mit wirksamen Partikelfiltern sichergestellt werden“, erklärt Michael Müller-Görnert, Verkehrsreferent des VCD das Ziel der Roadmap. Nur wenn Neufahrzeuge bei der Umwelttechnik auf dem neusten Stand seien und so viele Altfahrzeuge wie möglich nachgerüstet würden, werde eine langfristige Verbesserung der Luftqualität erreicht.

Im ersten Schritt müssten leichte Nutzfahrzeuge, die eine Pkw-Typgenehmigung aufweisen, in das bestehende steuerliche Förderprogramm zur Filternachrüstung aufgenommen werden. “Es ist in keiner Weise nachvollziehbar, warum für ein und dasselbe Fahrzeug bei der Nachrüstung eines Rußfilters eine Steuer­erleichterung gewährt wird, sobald es als Pkw zugelassen ist, nicht aber, wenn es als Nutzfahrzeug firmiert“, kritisiert Müller-Görnert. Darüber hinaus müsse die Bundesregierung jetzt ein neues Förder­programm für die Nachrüstung von allen nicht mautpflichtigen Nutz­fahr­zeugen auflegen.
Positive Beispiele für entsprechende Programme gebe es bereits im Ausland. So hätten die Niederlande ein vorbildliches Fördersystem für saubere Fahr­zeuge entwickelt. Müller-Görnert: “Dort wird ein Fahr­zeug je nach erzielter Reinigungsleistung des Filter­systems ge­staffelt mit Fördersätzen zwischen mehreren hundert bis mehreren tausend Euro gefördert.” Auch wenn das Modell aus Holland nicht 1:1 auf Deutschland übertragen werden könne, zeige es doch auf, dass eine nach Fahrzeuggröße und erzieltem Ruß­abscheide­grad gestaffelte Förderung funktioniere und von den Fahrzeughaltern angenommen werde.

Im zweiten Teil der Roadmap für saubere Nutzfahrzeuge sollten nach Ansicht von VCD und DUH die Steuerungsmöglichkeiten der Lkw-Maut zum Zuge kommen. Zum einen müssten die Mautsätze stärker nach Schadstoffausstoß gestaffelt werden und zusätzlich einen Anreiz für die Nachrüstung von Partikelfiltern beinhalten. “Wer weniger Feinstaub und Stickoxide ausstößt, sollte auch weniger bezahlen. So wird sich modernste Umwelttechnik schneller durch­setzen“, erläutert Müller-Görnert den Ansatz. Zum anderen müsse die Lkw-Maut schnellstmöglich auf alle Lkw ab 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ausgedehnt werden. Bisher gilt sie erst ab 12 Tonnen. Durch diesen Schritt würden “nicht nur unnötige Trans­port­fahrten vermieden, sondern bei entsprechender Staffelung der Sätze auch im unteren Gewichtsbereich sauberere Fahrzeuge gefördert“, so Müller-Görnert.

Schließlich sieht die Roadmap von VCD und DUH anspruchsvollere Abgasgrenzwerte auf europäischer Ebene vor. Die ab Oktober 2009 für Lkw und Busse geltende Schadstoffnorm Euro V sieht absurder­weise keine Verschärfung des Grenzwertes für Rußpartikel vor und kann zumindest im Prüfverfahren ohne Partikelfilter eingehalten werden. Allerdings haben derart ausgestattete Fahrzeuge im realen innerstädtischen Gebrauch hohe Schad­stoff­emissionen. Die aktuellen gesetzlichen Vorgaben liegen damit weit hinter dem “Stand der Technik“. Auch der derzeitige EU-Vorschlag für die nächste Abgasstufe Euro VI, die erst ab 2014 gelten soll, stellt keine ausreichende Verringerung der Schad­stoff­emissionen sicher. “Die geplanten Grenzwerte sind viel zu lasch“, urteilt Müller-Görnert und fordert deshalb: “Die Bundes­regierung muss sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Euro VI bereits 2011 verbindlich wird und der vorgesehene Grenzwert für Partikelemissionen analog zum Stand der Technik weiter abgesenkt wird.” Neben den gesetzlichen Vorgaben seien zudem finanzielle Anreize für die vorzeitige Markteinführung entsprechender Fahrzeuge notwendig.

Eine Liste von Dieseltransportern mit Partikelfilter ist unter www.vcd.org verfügbar.

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Autor: VCD-Bundesverband.

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Eine Antwort zu “Feinstaubbekämpfung: DUH und VCD fordern Roadmap für saubere Nutzfahrzeuge”

  1. Maßnahmen für den Klimawandel werden immer zu allererst bei den Privatpersonen oder kleinen Unternehmen ergriffen. Natürlich ist es gut Feinstaubfilter anzuordnen, allerdings sollten die großen Umweltverschmutzer und Zerstörer angegangen werden, damit mal eine sichtbare Besserung unseres Klimas eintritt. So etwas dient doch nur zur Beruhigung des Gewissens und bringen tut es sehr wenig. Autofreie Tage wären da viel sinnvoller.

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