Zur Bilanz der Deutschen Bahn AG

VCD-Pressemitteilung 19/2008 – Berlin, 31. März. 2008
VCD kritisiert angekündigte Angebotseinschnitte und Preiserhöhungen trotz guter Gewinne

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) hat die von der Deutschen Bahn AG angekündigten Einschnitte im Fernverkehr kritisiert. Trotz steigender Gewinne und gesunkener Schulden wolle die Bahn ihr Angebot im Fernverkehr reduzieren, wie das Unternehmen auf den Fahr­plan­konferenzen der Bundesländer angekündigt habe. Auch er­neute Preissteigerungen bei den Tickets seien absehbar, wie Bahn­chef Hartmut Mehdorn heute auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin bestätigte. “Ein gutes Ergebnis der Deutsche Bahn AG ist nur dann ein gutes Ergebnis für den Verkehrsträger Schiene und für alle Steuerzahler, wenn mit den erwirtschafteten Mitteln die hiesige Infrastruktur und das Angebot für die Kunden verbessert wird“, kommentiert der VCD-Bundes­vorsitzende Michael Gehrmann den heute vorgelegten Jahres­abschluss von 2007. “Doch der Bahnvorstand hat trotz gestiegener Gewinne bereits angekündigt, das Zugangebot im Fern­verkehr zu reduzieren, und weitere Fahrpreiserhöhungen nicht ausgeschlossen. Das ist weder nachvollziehbar noch hinnehmbar“.

Die Bahn begründe die Zugstreichungen mit Einnahmeausfällen durch den Streik und mit den hohen Tarifabschlüssen. Gehrmann: “Diese Argumen­tation hinkt. Jedes Unternehmen sollte soweit im Voraus kal­ku­lieren, dass Tarifabschlüsse eingeplant sind. Die Lohnforderungen der Bahn­gewerkschaften waren abzusehen. Das alles kann die Bahn deshalb nicht wirklich überrascht haben.” Statt sich in die Abwärtsspirale von An­ge­bots­kürzung und sinkender Nachfrage zu begeben, seien vielmehr intelligente Konzepte gefragt, mehr Kunden auf die Schiene zu locken und dadurch die Auslastung zu verbessern. “In Zeiten galoppierender Spritpreise sollte das der Bahn eigentlich nicht allzu schwer fallen“, meint Gehrmann.

Angesichts der Absicht der Bahn, ihre Fernverkehrsfahrpläne aus­zu­dün­nen, fordert der VCD die Bundesregierung auf, flächen­deckende Mindest­standards für das Angebot im Fernverkehr zu definieren. Eine Schrumpfbahn mit immer weniger Fernverkehrszügen, die sich auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken konzentrieren, sei nicht im Sinne einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Klare Vorgaben für den Fern­verkehr seien ebenso Voraussetzung für die angestrebte Teil­privatisierung der Transport­sparten wie ein klarer ordnungs­rechtlicher Rahmen insgesamt. “Wenn die Regierung einer Teil­privatisierungs­lösung zu­stim­men sollte, ohne vorher festzulegen, welche Leistungen potentielle Anbieter im Einzelnen erbringen sollen und wie die Vergabe zu erfolgen hat, ist dieses Ansinnen von vorneherein zum scheitern verurteilt“, warnt Heidi Tischmann, Verkehrsreferentin des VCD.

Insbesondere die Bedingungen für einen fairen Wettbewerb auf der Schiene seien unter derzeitigen Umständen nicht gegeben. Das zeige nicht zuletzt das Verfahren, dass die EU gerade im Zusammenhang mit der Vergabe eines langjährigen Verkehrsvertrages der Länder Berlin und Brandenburg an die DB AG anstrebe. Tischmann resümiert: “Wenn die Politik die Menschen motivieren will, vom Pkw auf klimaschonende Alternativen umzusteigen, muss sie auch die notwendigen Voraus­setzungen schaffen, damit es ein flächendeckendes Bahnangebot zu vernünftigen Konditionen gibt.

Verwandte Artikel

Autor: VCD-Bundesverband.

Tags: , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort