VCD-Pressemitteilung 64/07 – Berlin, 29.10.2007
Tempolimit-Diskussion
Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) kritisiert die Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Union an ein bundesweites Tempolimit auf Autobahnen scharf. Nachdem der SPD-Parteitag am Wochenende einen Antrag für Tempo 130 auf Autobahnen verabschiedet hatte, seien die üblichen Abwehrmechanismen von Union und Autolobby in Gang gesetzt worden, ohne die Argumente für eine Geschwindigkeitsbegrenzung zur Kenntnis zu nehmen.
“Alle anderen Länder auf der Welt haben ein Tempolimit, denn es gibt viele gute Gründe dafür: mehr Klimaschutz, mehr Sicherheit, besserer Verkehrsfluss. Wenn sich die selbst ernannte Klimakanzlerin dieser sinnvollen und obendrein kostengünstigen Maßnahme kategorisch verweigert, zeigt das einmal mehr, wie halbherzig sie ihre Klimaschutz-Strategie verfolgt“, kritisiert Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender. Dabei würde ein Tempolimit von 120 km/h in Deutschland sofort rund drei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Das sei deutlich mehr als das Gebäudesanierungsprogramm der Bundesregierung seit Januar 2006 bisher gebracht habe.
Da der Spritverbrauch bei Geschwindigkeiten über 100 km/h überproportional ansteige, bringe gerade ein Tempolimit erhebliche Treibstoff- und damit auch Treibhausgaseinsparungen. Die Zeitschrift Autobild habe in einem Test im letzten Jahr gezeigt, dass Höchstgeschwindigkeiten enormen Spritkonsum bedeuten. So verbrauche ein VW Golf bei Vollgas über 20 Liter, ein 5er BMW knapp 34 und der Geländewagen Porsche Cayenne sogar fast 67 Liter Benzin auf 100 Kilometern.
Es zeuge zudem von erstaunlicher Unkenntnis, wenn die Kanzlerin ein Tempolimit mit mehr Staus gleichsetze und damit die Fakten verdrehe. Die Verkehrswissenschaft habe große Geschwindigkeitsunterschiede, wie sie auf Autobahnen ohne Tempolimit herrschen, als einen Hauptfaktor für die Entstehung von Verkehrsstaus identifiziert. Gehrmann: “Ein gleichmäßigerer Verkehrsfluss bei moderaten Geschwindigkeiten würde also helfen, Staus zu vermeiden und damit das Klima zusätzlich zu entlasten.”
Auch das Sicherheitsargument spreche eindeutig für ein Tempolimit. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Unfallursache Nummer eins immer noch die nicht angepasste Geschwindigkeit. Auf Autobahnen kommen in Deutschland etwa zwölf Prozent der im Verkehr Getöteten um, das bedeutet allein für das Jahr 2006 rund 600 Tote. Gehrmann: “Es sollte jede vernünftige Maßnahme ergriffen werden, um Menschenleben zu retten. Alles spricht also für eine Geschwindigkeitsbegrenzung – auch auf deutschen Autobahnen.”
Ein VCD-Hintergrundpapier zu den Wirkungen des Tempolimits finden Sie im Internet unter www.vcd.org/klimaschutz.html
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Autor: VCD-Bundesverband.
Tags: CO2, Klimaschutz, Merkel, SPD, SPD-Parteitag, Stau, Tempolimit, Treibhausgas
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